Wal-Drama: DNA-Analyse zu Buckelwal „Timmy“ sorgt für Verwirrung
DNA-Analyse zu Buckelwal „Timmy“ sorgt für Verwirrung

Die DNA-Analyse zu Buckelwal „Timmy“ hat neue Verwirrung gestiftet. Die Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies stellte am Mittwochnachmittag in Hamburg die Ergebnisse einer von ihr in Auftrag gegebenen Genuntersuchung vor. Demnach sollen die Gewebeproben von „Timmy“ und dem vor der dänischen Insel Anholt gefundenen toten Wal nicht übereinstimmen – sie stammten sogar von unterschiedlichen Tierarten. Allerdings bleiben viele Fragen offen, und die Aussagekraft der Analyse wird angezweifelt.

Hintergrund des Wal-Dramas

Der Buckelwal war Anfang März erstmals in der Ostsee gesichtet worden und strandete mehrfach. Eine private Rettungsinitiative brachte das geschwächte Tier Ende April mit einem Lastkahn zum Eingang der Nordsee. Nur wenige Tage später wurde ein toter Buckelwal an der dänischen Küste vor Anholt gefunden. Seither wird gerätselt, ob es sich um „Timmy“ handelt.

Die Pressekonferenz von Kirsten Tönnies

Am Mittwoch um 14 Uhr gab Tönnies eine Pressekonferenz, die von der Videonachrichtenagentur News5 live übertragen wurde. Gleich zu Beginn betonte sie, nicht für die gesamte Rettungsinitiative zu sprechen. Die Geldgeberin Karin Walter-Mommert hatte sich zuvor von der Veranstaltung distanziert.

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Tönnies erklärte, sie habe die DNA-Analyse bei einem Labor in China in Auftrag gegeben, dessen Namen sie nicht nennen wollte. Die beiden Proben stammten von „Timmy“ (entnommen am 1. Mai während des Transports) und von dem toten Wal vor Anholt (entnommen am 18. Mai von einer anonymen Person). Tönnies war bei keiner der Entnahmen anwesend.

Verwirrende Ergebnisse

Die Auswertung der chinesischen Analyse überließ Tönnies einer Gruppe von Personen, die namentlich nicht genannt werden wollten. Deren Einschätzung: „Beide Probenmaterialien stammen von einem weiblichen Tier“, so Tönnies. Zudem handle es sich um „unterschiedliche Tierarten“. Die Abweichung sei so groß, „dass wir uns fragen, ob das überhaupt noch eine Tierart ist“. Diese Aussage sorgte bei den anwesenden Journalisten für Kopfschütteln.

Auf Nachfrage, wie dieses Ergebnis zustande komme und ob sie die Daten selbst verstehe, wich Tönnies aus. Sie wolle die DNA-Ergebnisse nach der Pressekonferenz der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Ein Reporter fragte, warum sie die Pressekonferenz überhaupt abhalte. Tönnies antwortete: „Ich kann an den Ergebnissen nichts ändern.“ Auch sie stelle sich die Frage: „Wie ist das jetzt möglich?“ Sie habe gehofft, „dass man den Deckel langsam mal schließen könnte, aber offenbar ist das wieder nicht der Fall.“

Zweifel an der Probenqualität

Ein weiterer Reporter gab zu bedenken, dass es näher liege, die Untersuchung anzuzweifeln, als die Identität des toten Wals. Tönnies räumte ein, dass eine der Proben in Formalin eingelegt war, was DNA abbauen kann. Zudem seien die Proben erst spät gekühlt worden. Sie rief alle auf, die Hautproben gesammelt haben, diese zur Verfügung zu stellen. Eine unabhängige Überprüfung ihrer Angaben war nicht möglich.

Offene Fragen im Fall „Timmy“

Der Fall wirft weiterhin viele Fragen auf:

  • Gewebeproben: Die erste Probe wurde von Wal-Experte Jeff Forster entnommen, die zweite von einer unbekannten Person. Die Lagerung und Entnahme entsprechen nicht unbedingt wissenschaftlichen Standards.
  • Geschlecht: Umweltminister Till Backhaus hatte „Timmy“ als jungen Bullen bezeichnet, der tote Wal vor Anholt war jedoch ein Weibchen. Tönnies‘ Analyse ergab, dass beide Proben von Weibchen stammen.
  • GPS-Tracker: Der an „Timmy“ befestigte Sender wurde später am toten Wal gefunden. Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns erklärte, dass Größe, Art, Tracker und Bewegungsdaten ein schlüssiges Gesamtbild ergäben. Unabhängige Zeugen waren bei der Bergung nicht dabei.
  • Körperliche Merkmale: Ein Foto der Schwanzflosse des toten Wals soll mit einem früheren Bild übereinstimmen, ebenso Verletzungen und Narben.

Das Drama um Buckelwal „Timmy“ bleibt also weiterhin ungeklärt. Die Beteiligten streiten sich über die Rettungsaktion, Finanzierungsfragen und offene Rechnungen. Die DNA-Analyse hat die Verwirrung eher vergrößert.

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