Eine Woche nach dem tödlichen Rope-Jumping-Unfall einer jungen Frau in Brasilien hat die Polizei drei weitere Verdächtige festgenommen. Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass nach dem Unglück digitale Beweismittel manipuliert oder gelöscht worden sein könnten. Die Festgenommenen gehören dem Organisationsteam des Sprungs an.
Verdacht auf Beweismanipulation
„Im Verlauf der Ermittlungen wurden Hinweise auf eine mögliche Unterdrückung von für die Ermittlungen relevanten Beweisen zusammengetragen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Verschwinden des von dem Opfer beim Sprung verwendeten Aufnahmegeräts“, teilte die ermittelnde Polizeichefin Andréa Levy mit. Gegen die drei Verdächtigen – eine 29-jährige Frau sowie zwei Männer im Alter von 25 und 27 Jahren – wurden befristete Haftbefehle für zunächst fünf Tage erlassen. Zudem genehmigte ein Gericht Durchsuchungen und Beschlagnahmungen von Mobiltelefonen, elektronischen Geräten und weiteren Beweismitteln.
Rätsel um die verschwundene Kamera
Die junge Frau war am 13. Juni von der stillgelegten Ponte do Esqueleto zwischen den Städten Limeira und Cordeirópolis im Bundesstaat São Paulo rund 40 Meter in die Tiefe gestürzt. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie Mitarbeiter des Veranstalterteams sie von der Absprungplattform stoßen, obwohl das Sicherungsseil unbefestigt auf der Plattform liegen geblieben war. Die drei Instruktoren, die am Unfalltag festgenommen worden waren, befinden sich weiterhin in Untersuchungshaft.
Die Polizei sucht weiterhin nach der Kamera, die die 21-Jährige beim Sprung bei sich getragen hatte. Das Gerät gilt als wichtiger Baustein zur Rekonstruktion des Geschehens. Ein Augenzeuge berichtete, er habe nach dem Aufprall beobachtet, wie ein Mitarbeiter des Veranstalterteams die Kamera vom Körper der Verunglückten entfernt habe. „Die erste Szene, an die ich mich erinnere, als ich das Mädchen am Boden sah, war ein Mitarbeiter, der die GoPro-Kamera vom Halsriemen des bereits am Boden liegenden Körpers abnahm, besorgt um die Ausrüstung oder um Beweise zu verbergen“, zitierte das Nachrichtenportal „G1“ den Zeugen Rafael Goulart.
Ermittlungen wegen Tötungsverdachts
Die Ermittler erklärten, es gebe Hinweise darauf, dass nach dem Unglück möglicherweise digitale Inhalte gelöscht worden seien. Sie ermitteln wegen des Verdachts, dass die Verantwortlichen den Tod der Frau bewusst in Kauf genommen haben könnten. Zudem prüfen die Behörden den Verdacht einer möglichen Prozessmanipulation. Zwei der Beschuldigten räumten bei ihren Vernehmungen laut „G1“ ein, für die Vorbereitung der Seile verantwortlich gewesen zu sein. Sie konnten die Aufgabenverteilung innerhalb des Teams jedoch nicht näher erläutern.
Reaktionen und Ausblick
Der Anwalt der Beschuldigten kündigte einen Antrag auf Freilassung seiner Mandanten an. Diese hätten weder die Absicht gehabt, den Tod der Frau herbeizuführen, noch das Risiko eines tödlichen Ausgangs bewusst in Kauf genommen, erklärte er. Rope-Jumping ist ein Extremsport, bei dem Teilnehmer mit statischen Seilen in die Tiefe springen. Anders als beim Bungee-Jumping wird der Sturz durch eine Pendelbewegung abgefangen. Die Sportart ist in Brasilien nicht speziell reguliert. Nach dem Unglück wird über einen Abriss der stillgelegten Brücke diskutiert.



