Am Freitag, dem 24. Juli, geht der Berliner Dyke*March auf die Straße – doch die Demonstration für lesbische Sichtbarkeit ist erneut von heftigen Konflikten überschattet. Neben einem offenen Streit mit dem Christopher Street Day (CSD) belasten Kontroversen um Palästina, Israel und Antisemitismus die Veranstaltung. Die Gruppe „Lesben gegen Rechts“ hat inzwischen öffentlich von einer Teilnahme abgeraten.
Konflikt mit dem CSD: „Dreister Angriff“ auf lesbische Sichtbarkeit
Das Orga-Team des Dyke*March hatte den CSD zuvor auf Instagram scharf kritisiert. Der CSD verhalte sich „verletzend“, die Rede war von „Enttäuschung, Wut und Frustration“. Hintergrund: Der CSD plant in diesem Jahr erstmals einen „Drag March“ und ein Bühnenprogramm am Brandenburger Tor – ausgerechnet am Freitagabend, dem traditionellen Termin des Dyke*March. Das Team spricht von einem „Angriff auf den Dyke*March und damit auch auf lesbische* Sichtbarkeit“. Es habe keinerlei Abstimmung gegeben, was „schockiert“. Der CSD erklärte dagegen, es hätten „informelle Gespräche zwischen einzelnen Personen“ stattgefunden, aber keine offizielle Abstimmung. Man unterstütze den Einsatz für lesbische Sichtbarkeit ausdrücklich und wünsche eine erfolgreiche Demonstration.
Palästina, Israel und Antisemitismus: Querelen halten an
Bereits in den vergangenen zwei Jahren hatte es heftige Auseinandersetzungen um die Haltung zu Gaza, Israel und Antisemitismus gegeben. Jüdische Teilnehmerinnen fühlten sich nicht sicher. In diesem Jahr betont das Orga-Team: „Die Solidarität mit palästinensischen Menschen und der Kampf gegen erstarkenden Antisemitismus stehen für uns nicht im Widerspruch.“ Anders als im Vorjahr soll die Regenbogenflagge mit Davidstern ausdrücklich erlaubt sein, jüdische Teilnehmerinnen wurden in sozialen Medien mehrfach einbezogen. Das rote Dreieck, das auch als Hamas-Symbol verwendet wird, soll dagegen „zu Hause lassen“ werden. Dennoch: Ein Post auf Instagram zeigt, dass der Dyke*March als Kooperationspartner („Collab-Partner“) der Gruppen „Zora“ und „Young Struggle“ sowie „Priderbellion Berlin“ markiert ist. Diese rufen gemeinsam zu einem „internationalistischen Block“ auf. „Zora“ stand nach dem 7. Oktober wegen eines terrorverherrlichenden propalästinensischen Flyers im Visier des Staatsschutzes, „Young Struggle“ sieht den Terror der Hamas als „legitimen Befreiungskampf“. Das Orga-Team bestätigte die Kollaboration, betonte aber, dass der Block nur von Pride Rebellion angemeldet wurde. Alle Menschen, die dem Aufruf zustimmen, seien eingeladen – „dazu gehören natürlich Menschen, die sich mit Palästina solidarisieren, und auch jüdische Dykes*“.
„Lesben gegen Rechts“ raten von Teilnahme ab
Die Gruppe „Lesben gegen Rechts“ reagierte scharf: Sie rief auf Instagram dazu auf, nicht am Dyke*March teilzunehmen. Man befürchte „erneut antisemitische Parolen, Bedrohungen und die Ausgrenzung von Lesben, die den vorgegebenen Positionen widersprechen“. Ein „Evaluationstreffen“ im Vorfeld habe sich fast ausschließlich um Gaza gedreht, ohne dass man sich auf gemeinsame Ziele einigen konnte. Das Orga-Team schreibt dazu, es sei „Raum für Aussprache und Austausch“ geschaffen worden; die gesammelten Wünsche würden nun in die Organisation einfließen.
Flaggenregelung: Palästina-Fahne erlaubt, Nationalfahnen unerwünscht
Umstritten ist seit Langem der Umgang mit Flaggen. Nationalfahnen sind grundsätzlich unerwünscht. Wie im Vorjahr gibt es eine Ausnahme für die palästinensische Fahne, neu hinzugekommen sind die ukrainische und die kurdische Fahne. Begründung: Es handele sich um „Flaggen, die für Befreiungskämpfe gegen imperialistische und faschistische Regime stehen“.
Orga-Team neu aufgestellt – nur drei aus dem Vorjahr
Das Organisationsteam musste sich erneut neu formieren. Aktuell sind etwa 20 Personen beteiligt, aber nur drei davon aus dem Team des Vorjahres. „Wir sind im guten und wertschätzenden Austausch mit dem ursprünglichen Orga-Team. Das freut uns sehr. Teil der aktuellen Orga sind sie nicht“, so das Team.
Demo-Details: Route, Teilnehmerzahl und Blöcke
Der Dyke*March startet um 17 Uhr am Roten Rathaus mit einer Kundgebung. Die Route führt über Holzmarktstraße, Oberbaumbrücke und Skalitzer Straße zum Oranienplatz. Erwartet werden 4000 Teilnehmerinnen. „Cis endo Männer“ werden gebeten, „dem March solidarisch fernzubleiben“. Demonstriert wird in mehreren Blöcken, darunter für Asian Dykes, Sport Dykes, ein Chor-Block und ein Kids-Block. Eine After-Party gibt es in diesem Jahr nicht. Das Motto lautet: „Dykes* raus auf die Straße gegen Faschismus“. Gefordert werden unter anderem eine Gesundheitsversorgung für alle, körperliche Selbstbestimmung, ein Adoptionsrecht, das lesbische Lebensrealitäten mitdenkt, sowie ein Ende von Sozialabbau und eines Sonderregisters für queere Menschen.



