Die Brennhaare der Raupen des Eichenprozessionsspinners können schwere allergische Reaktionen, Hautreizungen und Atembeschwerden auslösen. In Berlin hat sich der Befall diesen Sommer zur stadtweiten Plage ausgeweitet. Eine Meldepflicht für Beschwerden gibt es nicht, doch die Bezirke wissen genau, wo die Raupen besonders aktiv sind. Die Deutsche Presse-Agentur hat bei allen zwölf Bezirken nachgefragt.
Charlottenburg-Wilmersdorf: Volkspark Jungfernheide stark betroffen
Bezirksstadtrat Oliver Schruoffeneger zufolge sei in jedem Park mit Eichenbestand mit dem Eichenprozessionsspinner zu rechnen. Besonders stark betroffen sei der Volkspark Jungfernheide. Mitte Juni begann der Bezirk, die Nester abzusaugen. Teilflächen und kleine Bereiche wurden mit Flatterband abgesperrt, ganze Grünanlagen oder Spielplätze jedoch nicht. Einige Sportanlagen mussten vorsorglich schließen, teils bis Ende Juni. Insgesamt gingen rund 240 Beschwerden ein, viele Bürger berichteten von Hautausschlag.
Friedrichshain-Kreuzberg: Görlitzer Park und Volkspark Friedrichshain betroffen
In Friedrichshain-Kreuzberg sind insbesondere der Görlitzer Park und der Volkspark Friedrichshain befallen. Insgesamt seien 350 bis 400 Bäume betroffen, auch in Schulnähe. Bei etwa 300 Bäumen wurden die Nester bereits entfernt. Aktuell sind keine Flächen oder Spielplätze gesperrt, die Grillwiese im Görlitzer Park war vorübergehend zu.
Lichtenberg: Enorme Zahl an Hinweisen
Bezirksstadträtin Filiz Keküllüoğlu berichtet von einer „enormen Zahl“ an Hinweisen – allein innerhalb von zwei Wochen gingen rund 400 E-Mails ein. Besonders befallen sind der Orankesee, die Wuhlheide, der Oberseepark und der Stadtpark Lichtenberg. Viele Orte, vor allem Schulen und Kitas, wurden mit Warnhinweisen versehen. Die Bekämpfung sei aufwändig und beginne bereits ab Mitte Mai mit der Erfassung, doch eine wirksame Bekämpfung sei erst nach der Nestbildung möglich.
Marzahn-Hellersdorf: Mindestens 760 befallene Bäume
Laut Bezirksamtssprecherin sind mindestens 760 Bäume befallen (Stand 19. Juni). An rund 320 Bäumen wurden die Raupen abschließend bekämpft. Befallene Bäume werden mit Flatterband abgesperrt und markiert. Großflächige Sperrungen gibt es nicht, schwere Gesundheitsfälle sind dem Bezirk nicht bekannt.
Mitte: Mindestens 600 Nester gemeldet
Der Bezirk Mitte meldet mindestens 600 Funde von Nestern, ein Großteil wurde bereits von Spezialfirmen entfernt. An 13 Schulen wurden Teile der Schulhöfe gesperrt, außerdem fünf Sportanlagen, darunter das Stadion Rehberg, die Koloniestraße und Stade Napoleon.
Neukölln: Große Steigerung zum Vorjahr
Eine Sprecherin des Bezirksamts Neukölln sagt: „Sie können davon ausgehen, dass überall dort, wo sich mehrere Eichen befinden, der Eichenprozessionsspinner nicht weit ist. Wir stellen hier eine große Steigerung zum Vorjahr fest.“ Parks werden nicht komplett abgesperrt, aber an Eingängen wie zum Volkspark Hasenheide oder dem Grünzug Gropiusstadt hängen Informationsschilder. An sensiblen Orten wie Kitas, Schulhöfen und Sportplätzen werden die Raupen entfernt.
Pankow: Fauler See und Schlosspark Schönhausen betroffen
Ein Sprecher von Pankow nennt den Faulen See und den Schlosspark Schönhausen als Problemgebiete. Bis zum 16. Juni wurden 76 Standorte mit Verdacht oder gesichertem Befall gemeldet. In kritischen Bereichen gibt es Absperrungen. Die Sportanlage Nordendarena ist wegen eines Befalls bis zum 30. Juni vollständig gesperrt.
Reinickendorf: Rund 600 Meldungen
Im Straßen- und Grünflächenamt von Reinickendorf gingen etwa 600 Meldungen ein, wobei eine Meldung mehrere Nester umfassen kann. Prioritär werden Schulen, Spiel- und Sportplätze bearbeitet. Derzeit sind Bäume auf 16 Schulhöfen und 3 Sportanlagen betroffen, gekennzeichnet mit Flatterband.
Spandau: Siemensstadt besonders betroffen
Ein Sprecher erklärt, dass in Siemensstadt nahezu alle Eichen befallen sind, insbesondere im Wilhelm-von-Siemens-Park. Bis zum 22. Juni wurden knapp 33.430 Nester bekämpft. Zwei Spielplätze und das Stadion Hakenfelde sind gesperrt. 330 Meldungen gingen bis dahin ein.
Steglitz-Zehlendorf: Rund 230 Fundorte gemeldet
Bezirksstadtrat Urban Aykal teilt mit, dass bis zum 22. Juni rund 230 Fundorte gemeldet wurden. Die Nester werden idealerweise Ende Juni nach der letzten Häutung entfernt. Aktuell sind 9 von 140 Kinderspielplätzen ganz oder in Teilbereichen gesperrt, darunter der Spielplatz Kaulbachstraße und der Lilienthalpark.
Tempelhof-Schöneberg: Täglich 30 bis 100 neue Meldungen
Ein Sprecher berichtet von vielen befallenen Bäumen, täglich gehen 30 bis 100 neue Meldungen ein. Betroffen sind Spielplätze, Schulen, Kitas, Sportplätze, Friedhöfe sowie Bereiche an Ampeln und Haltestellen. Der Bezirk saugt die Nester ab, muss aber stark priorisieren, da Personal und finanzielle Mittel fehlen. Bekannte Problembereiche wurden gezielt mit Pflanzenschutzmitteln gespritzt.
Treptow-Köpenick: Rund 570 befallene Bäume
Eine Sprecherin sagt, dass alle Flächen mit großem Eichenbestand in sonniger Lage betroffen sind. Aktuell zählt der Bezirk rund 570 befallene Bäume (Stand 24. Juni). Probleme macht der Eichenprozessionsspinner unter anderem im Volkspark Wuhlheide, in der Südostallee und am Müggelseedamm. Bislang sind mindestens 600 Meldungen eingegangen, wobei befallene Bäume oft mehrmals gemeldet werden. Die Zahl der Meldungen nimmt jährlich zu.



