Der Berliner Sommer beginnt, und erneut breitet sich der Eichenprozessionsspinner in der Hauptstadt aus. Alle zwölf Berliner Bezirke schlagen Alarm wegen der giftigen Raupe. Die Berlinerin Britta Wunderwald hat nun ehrenamtlich eine Live-Karte ins Leben gerufen, auf der Bürgerinnen und Bürger Nester des Eichenprozessionsspinners direkt melden können. Innerhalb kurzer Zeit sind nach eigenen Angaben knapp 400 Meldungen zusammengekommen.
Persönliches Erlebnis als Auslöser
Für die 46-Jährige war ein einschneidendes Erlebnis mit einem Schulfreund ihres Sohnes entscheidend. Das Kind, das in einem anderen Bezirk wohnt, kam mit den Brennhaaren des Insekts in Kontakt und war bei der Familie zu Besuch. Sofort griff die Mutter zum Handy, um zu erfahren, welche Gebiete in Berlin besonders betroffen sind. Doch sie musste ernüchtert feststellen, dass es bislang keine entsprechende Karte gab. Also eignete sich Wunderwald selbst das Wissen an, um ein entsprechendes Tool zu entwickeln und einen gesellschaftlichen Mehrwert zu bieten, wie sie dem Tagesspiegel sagte. Ein Informatikstudium habe sie zwar nicht abgeschlossen, jedoch sei sie in der schnellen Aneignung solcher Fertigkeiten sehr versiert.
Neue Karte wächst mit der Community
Die Entwicklerin verlässt sich auf die Community ihrer Anwendung. Bürgerinnen und Bürger können einen Befall mit der GPS-Funktion ihres Handys metergenau in dem Programm melden. Optional können genauere Informationen oder beispielsweise eine Nähe zu Spielplätzen beschrieben werden. Im Anschluss kann die Meldung komplett anonym, ohne E-Mail, hochgeladen werden und ist sofort auf der Karte sichtbar. Je mehr User die Meldeanwendung nutzen, desto genauer werden die Nester dokumentiert.
Risikobewertung für Bezirke
Basierend auf den vergangenen Daten des Berliner Pflanzenschutzamts und den eingehenden Eintragungen erstellt das Programm für jeden Bezirk einen Risikowert und zeigt an, welche Gebiete besonders betroffen sind. Die gleiche Funktion ist für Hamburg und München eingerichtet worden.
Auffällig ist, dass besonders viele Meldungen abseits der Jungfernheide aus zwei Grünanlagen in Berlin eingegangen sind: aus dem Volkspark Rehberge im Bezirk Mitte sowie aus den Parks rund um den Baumschulenweg. Konkret sind der Volkspark Wuhlheide, die Köllnische Heide, die Königsheide sowie der Plänterwald betroffen.
Symptome und Forderungen
Nach dem Hautkontakt mit den Brennhaaren der Raupen drohen Betroffenen plötzlicher Juckreiz und Hautrötungen. Typische Symptome sind außerdem Quaddeln oder Ausschlag ohne sichtbaren Insektenstich, Augenreizungen, Tränen, Bindehautentzündung und Reizhusten sowie Atembeschwerden im Freien. Am Mittwoch schlugen alle zwölf Berliner Bezirke wegen des Eichenprozessionsspinners Alarm und baten den Senat um Hilfe bei der Bekämpfung des Insekts. Sie fordern eine berlinweite Koordinierung und eine verlässliche Finanzierung der Maßnahmen. Zudem soll die giftige Raupe in Zukunft auch als medizinisches Problem angesehen und nicht mehr nur als Pflanzenschutzthema behandelt werden.



