Erin Brockovich kämpft gegen Trump und Tech-Milliardäre um Datencenter
Erin Brockovich gegen Trump und Tech-Milliardäre

Die legendäre Umweltaktivistin Erin Brockovich, bekannt durch den Film mit Julia Roberts, hat eine neue Front eröffnet: Sie kämpft gegen den Bau von Datenzentren in den USA. Mit einer landesweiten Internet-Karte sammelt sie Beschwerden von Anwohnern und macht den Konflikt zwischen Bevölkerung, Tech-Industrie und Regierung sichtbar. Der Streit könnte die anstehenden Wahlen beeinflussen, da vor allem ländliche Trump-Wähler betroffen sind.

Lärm und Gestank vor den Toren Washingtons

In Sterling, Virginia, direkt vor den Toren Washingtons, steht der Vantage-Campus VA2 – ein Datenzentrum, das wegen Stromengpässen eigene Erdgasturbinen nutzt. Die Anwohner klagen über Lärm von bis zu 105 Dezibel, vergleichbar mit einem Düsenjet, und Gestank. „Ich bin geistig und körperlich ständig erschöpft“, sagt eine Anwohnerin. „Der Lärm schüttelt dich rund um die Uhr bis ins Mark.“ Die Immobilienpreise fallen, die Lebensqualität leidet. Erin Brockovich hat genau diese Beschwerden aufgegriffen und eine Plattform geschaffen, auf der Bürger Datencenter-Projekte melden können. Ihr Schlüsselsatz: „Wenn diese Rechenzentren so großartig sind, warum werden sie dann im Geheimen gebaut?“

Landesweiter Protest gegen KI-Boom

Laut Umfragen würden weit über 70 Prozent der Amerikaner lieber neben einem Atomkraftwerk wohnen als neben einem Datenzentrum. In Ballungsräumen wie Virginia und ländlichen Regionen wie Wisconsin, Ohio, Louisiana, Mississippi und Texas formiert sich Protest. Landesweit sind mehr als 4300 Datenzentren in Betrieb, 830 weitere werden gebaut, und das Pew-Research-Institut kennt mindestens 700 weitere Planungen. Die Kosten sind enorm: Allein Amazon, Google, Meta, Microsoft, Oracle und andere lassen sich ihre Projekte bis zu 750 Milliarden Dollar kosten. Metas „Prometheus“-Datenzentrum benötigt ein Gigawatt Strom – genug für eine Million Haushalte.

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Politische Brisanz für Trump

Der von der Regierung forcierte KI-Boom wird nicht als Chance, sondern als aufgezwungene Industriepolitik wahrgenommen. Wütende Hausbesitzer, Farmer, Rentner und Eltern gehen auf die Barrikaden, weil Big Tech Steuerprivilegien kassiert, während die Bürger höhere Strompreise, Lärm, Landschaftsverbrauch und Wassermangel tragen. Für Präsident Donald Trump ist das heikel: Seine Partei will den KI-Vorsprung gegen China halten, aber die ländlichen Stammwähler wollen keine Serverparks. Der demokratisch-sozialistische Senator Bernie Sanders fordert einen Baustopp – teilweise mit Erfolg. Laut Erin Brockovich wurden allein im ersten Quartal 2026 20 Datencenter-Pläne im Volumen von über 40 Milliarden Dollar nach lokalen Widerständen aufgegeben.

Unterschiedliche Strategien der Bundesstaaten

Ohio, viertgrößter Standort für Datenzentren, hat eine Vorschrift erlassen: Betreiber müssen ab einer bestimmten Größe monatlich mindestens 85 Prozent der beantragten Stromkapazität bezahlen – auch wenn sie sie nicht nutzen. So sollen Anwohner vor Kosten geschützt werden. Anders in Utah: Das Stratos-Projekt von Milliardär Kevin O’Leary sollte auf bis zu 16.200 Hektar wachsen, größer als Manhattan. Der Strombedarf: 79 Terawattstunden pro Jahr – etwa der private Jahresstrom von 50 Millionen Deutschen. Nach Protesten und einer Klage versprach O’Leary eine Verkleinerung, behauptete aber, mit China verbundene Akteure schürten den Widerstand. Innenminister Doug Burgum, ein Trump-Getreuer, übernahm diese Behauptung, lieferte aber keine Beweise. Trump-Wähler Kyle Schmidt nannte das „systematisches Verunsichern für Anfänger“ (Gaslighting).

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Verzweiflung in Virginia

In Ashburn/Loudoun County, Virginia, wo rund 200 Datenfabriken stehen, wollen etwa 150 Haushalte der Siedlung „The Regency“ nur noch weg. Der frühere Eigentümerverbands-Chef Mital Gandhi will die gesamte Nachbarschaft an einen Entwickler verkaufen – für mehr als 500 Millionen Dollar. „Das ist das bestmögliche Szenario für unser Leben an diesem Punkt“, sagt Gandhi. Trump selbst steht im Widerspruch: Im Juli 2025 ordnete er beschleunigte Genehmigungen für KI-Datenzentren an, im März 2026 versuchte er, den Bürgerzorn einzufangen, indem er forderte, KI-Firmen müssten die vollen Kosten für Energie und Infrastruktur tragen. Er ahnt das Wahlkampfgift. Die KI-Industrie bietet kurzfristig viele Baujobs, aber wenige dauerhafte Stellen. Erin Brockovich reitet auf dieser Welle, sammelt Tausende Beschwerden und liefert lokalen Initiativen Argumente gegen Schnellgenehmigungen. Von einem großen Prozess-Erfolg ist sie noch weit entfernt, aber die Bewegung wächst.