Schauspielerin Esther Schweins hat in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa über ihre Erfahrungen mit Sexismus im deutschen Fernsehen gesprochen. In dem Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht“ von Eva Müller und Isabelle Schneider, der aktuell in den Kinos läuft, wird unter anderem gezeigt, wie Schweins als Gast bei „Wetten, dass..?“ von Anwesenden, vor allem von Moderator Thomas Gottschalk, übergriffig behandelt wurde. Sie grinste dabei sichtlich gequält. Schweins erklärte, dass Frauen im deutschen Fernsehen damals „durchzulächeln“ hatten. Bei anzüglichen Witzen, Gesten oder Anspielungen mitzulachen, sei eine „Überlebensstrategie“ gewesen.
„Das war die Norm“ – Sexismus als Alltag
Schweins betonte, dass es damals viele Begrifflichkeiten nicht gegeben habe. „Ich könnte mich nicht erinnern, dass jemand damals über Sexismus sprach. Das war die Norm.“ Sie habe das natürlich falsch gefunden. Die 56-Jährige zeigte sich dankbar für den „Möglichkeitsraum ‚Samstag Nacht‘“ bei RTL, wo sie ihren Durchbruch hatte. „Dort konnte ich Ausnahme sein von dieser Norm: Komische Frau ist auch schön – oder schöne Frau ist auch komisch“, erklärte sie. Die Sendung sei „kreativ“ und „menschlich“ gewesen „und für mich als junge Frau der erste Ort, an dem ich aufatmen konnte, an dem ich frei denken, freie Rede führen und mir Luft verschaffen konnte“.
Maren Kroymann bestätigt: „Sexismus war Alltag“
Auch Maren Kroymann, die ebenfalls Teil des Dokumentarfilms ist, beschrieb im SPIEGEL-Gespräch die Anfangsjahre ihrer Karriere: „Frauen im Fernsehen hatten hübsch auszusehen und zu lächeln. Sie mussten sich betatschen und auf ihr Aussehen reduzieren lassen, egal, wie unwohl sie sich gefühlt haben.“ Kroymann ergänzte: „Sexismus war Alltag.“ Der Film „Was haben wir gelacht“ setzt sich kritisch mit dem Frauenbild im deutschen Fernsehen der Neunziger- und frühen Nullerjahre auseinander.
Sorge um Frauenrechte angesichts gesellschaftlicher Entwicklungen
Obgleich die Zeit der sexistischen Sprüche bei „Wetten, dass..?“ viele Jahre zurückliegt, sorgt sich Schweins weiter um Frauenrechte – vor allem angesichts des gesellschaftlichen Rechtsrucks. „In einer Zeit, in der es von Machtinteresse ist, dass Frauen ihre Stimme verlieren, muss man ganz deutlich sagen: Die Rechte, über die wir verfügen, sind filigran“, sagte sie. Und weiter: „Wer bestimmt, worüber gelacht wird, hat eben auch Macht. Wer bestimmt, was sichtbar ist oder wer unsichtbar gemacht wird, hat Macht. Und wer unsichtbar ist, ist ohnmächtig.“



