Esther Schweins: Sexismus im TV war damals die Norm
Esther Schweins: Sexismus im TV war die Norm (18.07.2026)

Esther Schweins, 56, hat in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa über die alltäglichen sexistischen Übergriffe im deutschen Fernsehen der 1990er und frühen 2000er Jahre gesprochen. Die Schauspielerin, die in der Sendung „Wetten, dass..?“ selbst Opfer von Begrapschen, Begaffen und Bedrängen wurde, erklärte: „Im deutschen Fernsehen hatten Frauen durchzulächeln.“ Das Mitlachen bei anzüglichen Witzen, Gesten oder Anspielungen sei eine „Überlebensstrategie“ gewesen.

„Das war die Norm“ – Sexismus als Alltag

Schweins betonte, dass es damals viele Begriffe für die Übergriffe nicht gegeben habe. „Ich könnte mich nicht erinnern, dass jemand damals über Sexismus sprach. Das war die Norm“, sagte sie. Obwohl sie die Situationen als falsch empfunden habe, sei sie dankbar für den „Möglichkeitsraum ‚Samstag Nacht‘“ gewesen. In der RTL-Sendung hatte Schweins ihren Durchbruch. „Dort konnte ich Ausnahme sein von dieser Norm: Komische Frau ist auch schön – oder schöne Frau ist auch komisch“, erklärte sie. Die Sendung sei „kreativ“ und „menschlich“ gewesen „und für mich als junge Frau der erste Ort, an dem ich aufatmen konnte, an dem ich frei denken, freie Rede führen und mir Luft verschaffen konnte“.

Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht“

Schweins ist Teil des Dokumentarfilms „Was haben wir gelacht“ von Eva Müller und Isabelle Schneider, der gerade in die Kinos gekommen ist. Der Film setzt sich kritisch mit dem Frauenbild im deutschen Fernsehen der Neunziger- und frühen Nullerjahre auseinander. In dem Film sind ältere Aufnahmen von Schweins zu sehen, unter anderem als Gast bei „Wetten, dass..?“, wo sie von Anwesenden, allen voran Thomas Gottschalk, übergriffig behandelt wurde und sichtlich gequält grinste. Gottschalk hatte vor nicht allzu langer Zeit behauptet, er habe Frauen früher im TV „rein dienstlich angefasst“.

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Maren Kroymann bestätigt: Sexismus war Alltag

Auch Maren Kroymann, die ebenfalls Teil des Dokumentarfilms ist, bestätigt die Zustände. „Sexismus war Alltag“, sagte sie im SPIEGEL-Gespräch. „Frauen im Fernsehen hatten hübsch auszusehen und zu lächeln. Sie mussten sich betatschen und auf ihr Aussehen reduzieren lassen, egal, wie unwohl sie sich gefühlt haben“, beschrieb sie die Anfangsjahre ihrer Karriere.

Sorge um Frauenrechte angesichts gesellschaftlichen Rechtsrucks

Obgleich seit der Zeit der sexistischen Sprüche bei „Wetten, dass..?“ viele Jahre vergangen sind, sorgt sich Schweins dennoch weiter um Frauenrechte – vor allem angesichts des gesellschaftlichen Rechtsrucks. „In einer Zeit, in der es von Machtinteresse ist, dass Frauen ihre Stimme verlieren, muss man ganz deutlich sagen: Die Rechte, über die wir verfügen, sind filigran“, sagte sie. Und weiter: „Wer bestimmt, worüber gelacht wird, hat eben auch Macht. Wer bestimmt, was sichtbar ist oder wer unsichtbar gemacht wird, hat Macht. Und wer unsichtbar ist, ist ohnmächtig.“

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