Manchmal geht es so schnell, dass man gar nicht mehr reagieren kann. Als ich vor einigen Tagen mit dem Rennrad auf nasser Straße abgebogen bin, merkte ich noch, wie beide Reifen wegrutschten. Verhindern, dass ich unsanft auf dem Boden lande, konnte ich es aber nicht mehr. Das Tempo hatte ich zwar vor der Kurve etwas reduziert, aber offensichtlich nicht genug. Zumindest nicht für einen Umstand, bei dem dünne Rennradreifen auf Regen und einen schmierigen Film aus Lindenpollen treffen.
Sekunden nach dem Aufprall: Hilfe von Fremden und Nachbarn
Hervorheben möchte ich aber gar nicht so sehr den Sturz selbst, der – dank Fahrradhelm – noch halbwegs glimpflich abgelaufen ist. Sondern vor allem das, was danach passierte. Gefühlt nur Sekunden nach dem Aufprall riefen die ersten Menschen, ob ich Hilfe benötige. Nachbarn und Anwohner kamen angelaufen, halfen mir von der Straße, brachten Wasser und einen großen Beutel mit Eis. Da ich allein unterwegs war, kam die Unterstützung genau richtig. Und so unnötig und ärgerlich dieser Sturz auch war, hat er mir mal wieder gezeigt: So oft und gern wir alle über diese Stadt meckern, so toll können die Berlinerinnen und Berliner sein.
Berliner zeigen Zusammenhalt in Notsituationen
Denn es ist nicht so, dass sich hier jeder nur für sich selbst interessiert, dass den Leuten ihr Umfeld und ihre Mitmenschen egal sind. Wenn es darauf ankommt, sind die Berliner da, und zwar sofort. Fremde Menschen helfen, genau wie die Nachbarn, mit denen man zuvor noch nie mehr als ein „Hallo“ ausgetauscht hat. Vermutlich würde in der Theorie jeder von sich behaupten, dass er in einer Notsituation bereit ist, zu helfen. Aber es tut gut, zu sehen, dass es auch in der Praxis so funktioniert.
Ein paar Tage später habe ich mein etwas beschädigtes Fahrrad bei meinen Nachbarn abgeholt, die es übergangsweise in Sicherheit gebracht hatten, und mich noch mal für die Unterstützung bedankt. Mein Nachbar sagte daraufhin einen Satz, der mir seither im Kopf hängen geblieben ist: „Dafür sind wir doch Menschen.“ Der Satz ist so logisch wie wahr. Aber manchmal kann es ja nicht schaden, sich das eigentlich Selbstverständliche erneut ins Gedächtnis zu rufen. Und diese Menschlichkeit vielleicht nicht nur im Notfall, sondern auch im Alltag etwas mehr durchscheinen zu lassen.
Lehren aus dem Sturz: Wetterbericht und Risikobewusstsein
Was ich noch aus dem Unfall mitnehme? Zum einen: sich niemals auf den Wetterbericht zu verlassen. Bevor ich meine Radtour gestartet habe, habe ich mehrfach unterschiedliche Wetterdienste geprüft. Alle waren sich einig, dass es an dem Abend zwar bewölkt ist, aber nicht regnen soll. Nachdem ich etwa eine halbe Stunde unterwegs war und die zunehmend dunkleren Wolken nicht mehr nur auf die Sonnenbrille schieben konnte, prüfte ich die App noch mal. Mit dem Ergebnis, dass plötzlich ein großes, auf mich zurollendes Regengebiet eingezeichnet war. Kurz habe ich überlegt, ob ich umdrehe, mich dann aber dagegen entschieden. In der Hoffnung, dass das Regengebiet, so plötzlich, wie es aufgetaucht war, auch wieder in eine andere Richtung abziehen würde. Was leider nicht der Fall war.
Stürze passieren – aber die Freude am Radfahren bleibt
Zum anderen: Stürze passieren. Es bringt mir nichts mehr, lange darüber nachzudenken, wie ich mich hätte anders verhalten können oder ob ich einen anderen Abzweig hätte nehmen sollen. Ja, vermutlich hätte es geholfen, wenn ich langsamer gefahren wäre. Oder wenn ich nicht das Ziel gehabt hätte, die Tour mit einer runden Kilometerzahl zu beenden, sondern einfach nach Hause gerollt wäre. Aber ändern kann ich es jetzt nicht mehr.
Was für mich auch feststeht: Ich lasse mir durch die eine Situation nicht den Spaß am Radfahren nehmen. Auch am Tag des Sturzes hatte ich in den Stunden vorher eine gute Zeit und habe wieder gemerkt, was für ein guter Ausgleich das Radfahren nach einem Arbeitstag am Schreibtisch ist. Wenn ich losfahre, merke, wie ich das Fahrrad durch eigene Muskelkraft beschleunigen kann, und den Fahrtwind spüre, rückt der Alltagsstress in den Hintergrund. Noch steht die Erholung im Vordergrund, aber: Ich freue mich jetzt schon auf die nächste Radtour.



