In Kelkheim im Taunus ist am Dienstagabend eine Frau mutmaßlich von ihrem Ehemann getötet worden. Die Tat ereignete sich im Freien nahe dem Marktplatz der Stadt. Zeugen überwältigten den Angreifer und hielten ihn fest, bis die Polizei eintraf. Der Mann wurde dabei verletzt. Die Hintergründe der Tat sind noch unklar, der mutmaßliche Täter soll am späten Nachmittag einem Haftrichter vorgeführt werden.
Zeuge berichtet von blutiger Attacke
Ein Augenzeuge, der nur seinen Vornamen Peter nennen wollte, berichtet, er sei nur etwa fünf Meter von der Attacke entfernt gewesen. Der Mann, der womöglich betrunken war, habe dem Opfer mit einer Machete in den Hals gestochen. „Alles voller Blut. Ich bin um mein Leben gerannt“, sagte Peter. Die Frau sei in dieselbe Richtung geflohen und dann kollabiert. Er habe nur einen einzigen Stich gesehen, dann sei die Attacke schon vorbei gewesen.
Polizei spricht von Stichwaffe
Die Polizei äußerte sich zunächst allgemein von einer Stichwaffe, nicht von einer Machete. Die attackierte Ehefrau erlag noch am Tatort nahe der Frankfurter Straße ihren Verletzungen. Eine am Mittwochmorgen vorbeikommende Spaziergängerin bestätigte, dass viele ihrer Freunde, die am Dienstagabend in einem Lokal auf dem Marktplatz das Fußballspiel der Weltmeisterschaft verfolgten, die Tat miterlebt haben und noch sehr geschockt seien.
Tatort in belebter Umgebung
Die Umgebung war während der Tat belebt. „Dort gibt es verschiedene Lokalitäten. Entsprechend hatten wir dann auch den Publikumsverkehr“, erklärte ein Polizeisprecher. Seelsorger seien vor Ort gewesen. „Das ist psychisch eine entsprechende Belastung, wenn man so etwas miterleben musste.“
Trauer und Wut am Tatort
Am Morgen nach der Tat legten Passanten Blumen und Kerzen vor einer Bäckerei nieder, in deren Nähe die Tat geschah. Eine ältere Frau sagte, sie habe Sirenen gehört und dachte, es sei wegen des Fußballspiels. Erst als ihre Tochter ihr schrieb, ob es ihr gut gehe, erfuhr sie von der Tat. Eine andere Passantin legte eine Blume und sagte: „Ganz ehrlich: Ich bin eine Frau.“ Frauen sollten in Deutschland in Freiheit leben können, gerade deshalb habe sie das Geschehene sehr berührt.
Femizid-Diskussion
Polizei und Staatsanwaltschaft äußerten sich vorerst nicht dazu, ob es sich um ein Femizid handelt. Femizid bedeutet, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts getötet werden. Als häufigste Form gilt die Tötung von Frauen durch Partner oder Ex-Partner. Zu Tatmotiven zählen männliches Besitzdenken, Frauenverachtung, sexuelle Frustration, Frauenhass sowie Kontroll- und Dominanzstreben.
Bekannte des Paares schockiert
Vladimir Milovac aus Kelkheim sagte, er kenne den Tatverdächtigen schon lange, die Getötete seit einigen Monaten. Sein Hund habe immer mit ihrem Hund gespielt. Die Frau habe auf ihn sehr gestresst und müde gewirkt, der Mann sei manchmal aggressiv gewesen und habe der Frau gedroht. Er habe sich aber nicht einmischen wollen. Als er am Morgen von dem Tod seiner Bekannten erfuhr, sei er sehr traurig gewesen. Eine andere Frau, die eine weiße Rose niederlegte, sagte: „Ich hab das heute Morgen gelesen. Das hat mich total betroffen gemacht. Wir gehen immer hier frühstücken. Ich hab die Rose hingelegt, weil was anderes kann man ja nicht machen.“ Sie fügte hinzu: „Es passiert ja leider viel, viel, viel zu oft. Ich hab da eigentlich keine Worte für.“



