Fünf Jahre nach der Flut im Ahrtal: Neue Normalität, alte Narben
Fünf Jahre nach Ahrtal-Flut: Narben bleiben

Fünf Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal, bei der mindestens 135 Menschen starben und Hunderte verletzt wurden, sind die Spuren der Verwüstung noch immer allgegenwärtig. Während viele Orte wie Insul weitgehend wiederhergestellt sind, kämpfen andere wie Mayschoß und Altenahr noch mit dem Wiederaufbau. Die Bewohner leben zwischen neuer Normalität und alten Traumata.

Wiederaufbau mit Hindernissen

Tim Himmes, ein 26-jähriger Schausteller aus Schuld, hat sein Elternhaus und die zerstörten Fahrgeschäfte wieder aufgebaut. „Seit ungefähr einem halben Jahr haben wir jetzt auch wieder eine Straße vorm Haus“, sagt er. Doch die Erinnerung an die schlammigen Wassermassen, die Autos und Buden fortrissen, bleibt. Seine Schwestern rufen ihn nachts an, wenn der Pegel der Ahr steigt.

Gastronom Wolfgang Ewerts aus Insul blickt ebenfalls zurück: „Es gibt eine Zeitrechnung vor und nach der Flut.“ Sein Hotel und Gasthof sind schöner als zuvor, aber die Bilder der öligen Teelichter, die im Wasser schwammen, sind unvergessen. „Ohne die vielen freiwilligen Helfer hätten wir das nie geschafft“, betont er.

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Bürokratie und brachliegende Rebflächen

Britta Stodden vom Weingut Jean Stodden in Rech kritisiert den fehlenden Bürokratieabbau. „Statt schnellen unkomplizierten Lösungen müssen wir uns weiter durch die Flut der Formulare und Nachweise kämpfen.“ Fünf Jahre nach der Katastrophe können betroffene Rebflächen noch immer nicht neu bepflanzt werden. Der versprochene Bahnbetrieb laufe zwar wieder, aber der Schulunterricht finde weiterhin in Containern statt.

Viele Bewohner fühlen sich erschöpft und ruhebedürftig. Das alte Dorfleben und die Gemeinschaft aus der Zeit vor der Flut fehlen. „Es habe in den fünf Jahren des Wiederaufbaus auch viel Neid, Vereinzelung und Rückschläge gegeben“, sagt ein Anwohner anonym. Andere kämpfen immer noch mit Anträgen.

Angst vor der Zukunft

Trotz aller Fortschritte bleibt die Furcht vor einer erneuten Flut. Tim Himmes befürchtet: „In 20 oder 40 Jahren interessiert es keinen mehr. Dann passt keiner mehr auf, ob die Flut zurückkommt.“ Seine Konsequenz: „Wenn das nochmal passiert, dann sind wir weg.“

Wolfgang Ewerts ist zuversichtlicher: Neue Bogenbrücken und mehr Platz für die Ahr sollen Schutz bieten. „Ob das reicht, sei dahingestellt“, räumt er ein. Er ist überzeugt, dass die Bewohner bei einer erneuten Warnung rechtzeitig fliehen würden – anders als 2021, als die Warnung „so schlimm wie 2016“ kam, aber die Flut weitaus verheerender war.

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