Hormon LEAP2 als möglicher Prädiktor für Rückfälle bei Magersucht
Junge Frauen mit Magersucht erleiden trotz erfolgreicher Behandlung häufig einen Rückfall. Eine französische Studie der Université Paris Cité liefert nun eine spannende Erkenntnis: Das Hormon LEAP2, das Hungersignale bremst, könnte helfen, das Rückfallrisiko besser einzuschätzen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Translational Psychiatry“ veröffentlicht.
Rund jeder dritte Betroffene erkrankt innerhalb eines Jahres nach der Therapie erneut. Für die Forscher zeigt das: Magersucht ist mehr als eine Frage des Willens. Auch biologische Prozesse scheinen eine wichtige Rolle zu spielen.
Die Rolle von zwei Hungerhormonen
Für die Studie begleiteten Wissenschaftler 30 Patientinnen während eines viermonatigen Ernährungsprogramms. Sie untersuchten Blutproben und verglichen die Werte der Hormone Ghrelin, das den Appetit fördert, und LEAP2, das Hungersignale bremst.
Dabei zeigte sich: Patientinnen mit besonders hohen LEAP2-Werten zu Beginn der Behandlung hatten später häufiger einen Rückfall. Die Werte von Personen, die das erreichte Gewicht halten konnten, hatten sich dagegen stärker normalisiert. Besonders aussagekräftig war das Verhältnis von Ghrelin zu LEAP2, nicht Ghrelin allein.
Neue Ansätze für Therapien
Ergänzend untersuchten die Forscher weibliche Mäuse. Nach einer Phase starker Nahrungsknappheit veränderte sich ihr Entscheidungsverhalten, gleichzeitig sank ihr LEAP2-Spiegel. Die Ergebnisse unterschieden sich zwar teilweise von denen der Patientinnen, deuten aber darauf hin, dass Hungerhormone nicht nur den Appetit, sondern auch die Impulskontrolle beeinflussen.
Studienleiterin Dr. Virginie Tolle hofft, dass LEAP2 künftig helfen könnte, Rückfälle früher zu erkennen und Behandlungen gezielter anzupassen. Die Forscher betonen jedoch, dass ihre Arbeit nur Zusammenhänge zeigt. Wegen der kleinen Zahl von 30 Patientinnen und weiterer Einschränkungen sind größere klinische Studien nötig, bevor daraus neue Therapien oder Tests entwickelt werden können.



