Seit 1969 ist das Fotostudio Urbschat am Kurfürstendamm ansässig und wird heute in dritter Generation von Daniela Urbschat und ihrer Tochter Yvonne Huber geführt. Trotz hoher Mieten und Leerstand sehen die Inhaberinnen den Boulevard optimistisch. „Ich kann diese Jammerei nicht verstehen. Der Kudamm ist so oft schon totgesagt worden. Und er ist immer wieder da, strahlt immer wieder“, sagt Daniela Urbschat. Für sie hat die Straße eine Atmosphäre fast wie auf den Champs-Élysées in Paris.
Geschichte des Kurfürstendamms
Der Kurfürstendamm wurde 1886 als Boulevard eröffnet und war stets mehr als nur eine Einkaufsstraße: Symbol, Reizobjekt und Bühne der Stadt. Nach der Wende geriet die City West mit dem Kudamm ins Hintertreffen, da sich Aufmerksamkeit und Investitionen auf den Potsdamer Platz, die Friedrichstraße und das Regierungsviertel konzentrierten. „Ich hatte zeitweise das Gefühl, der Kudamm sei ein wenig trutschig, langweilig und ungepflegt geworden“, erinnert sich Daniela Urbschat. Ihr Vater riet jedoch: „Bleibt am Kudamm.“ Heute zeigt sich, dass er Recht behielt: „Wenn man sich heute die Friedrichstraße anschaut, tut einem das leid“, so die Fotografin.
Aktuelle Situation: Passantenfrequenz und Mietpreise
Der Kudamm bleibt ein Schwergewicht im Berliner Handel: Mit 11,28 Millionen Passanten pro Jahr zählt er zu den meistbesuchten Einkaufsstraßen Deutschlands. Dennoch ist das Geschäft nicht leicht. In der Nähe des Studios steht ein Laden leer, für den 17.500 Euro Miete im Monat plus Nebenkosten verlangt werden. „Vielleicht müsste man Läden teilen oder wieder normalere Mieten verlangen“, sagt Urbschat. Laut aktuellen Retail-Daten der Bank BNP Paribas liegen die Spitzenmieten je nach Abschnitt bei 165 Euro pro Quadratmeter im Konsumbereich und 170 Euro im Luxusbereich. Nur die Tauentzienstraße ist mit 250 Euro pro Quadratmeter noch teurer.
Tradition und persönliche Bindung als Erfolgsfaktor
Yvonne Huber, die das Geschäft inzwischen leitet, setzt auf die Stärken eines Familienbetriebs: Nähe, Erfahrung und Vertrauen. Viele Kunden kämen seit Jahren. „Ich glaube auch, dass es für die Identität des Kudamms wichtig ist, dass es diese inhabergeführten Läden mit Geschichte gibt“, so Huber. Daniela Urbschat ergänzt: „Jeden Tag kommen neue Leute, neue Geschichten hinzu.“
Aufwertungsprogramme und Zukunftspläne
Von 2018 bis 2023 lief am Kurfürstendamm und Tauentzien ein BID (Business Improvement District), ein gemeinsames Aufwertungsprogramm von Eigentümern, Gewerbe und öffentlicher Hand. Finanziert wurden mehr Sauberkeit, Sicherheit, Bepflanzung, Veranstaltungen und Werbung. Die AG City bereitet ein Folgeprojekt vor, das Nachhaltigkeit, neue Veranstaltungsformate und digitale Sichtbarkeit fördern soll. Die Inhaberinnen begrüßen dies: Der Kudamm lebe nicht nur von Schaufenstern, sondern von Begegnungen und Kultur. Yvonne Huber schlägt vor: „Große, leer stehende Flächen könnte man jungen Künstlern günstig geben, vielleicht als Zwischennutzung.“



