Hintergrund der Entscheidung
Im vergangenen Sommer sorgte ein Freibad in der Schweizer Gemeinde Pruntrut (französisch Porrentruy) im Kanton Jura für internationale Schlagzeilen, als es ausländischen Badegästen den Zutritt verbot. Nun steht das Bad erneut im Fokus der Kritik, nachdem die Gemeinde das Verbot aufgehoben, jedoch eine drastische Preiserhöhung für Gäste ohne Schweizer Wohnsitz oder Staatsbürgerschaft eingeführt hat. Seit Beginn der Saison 2026 zahlen Erwachsene ohne Wohn- oder Arbeitssitz in der Schweiz 15 statt 7,50 Franken Eintritt (umgerechnet 16,14 Euro statt 8,20 Euro). Kinder und Jugendliche müssen zehn statt fünf Franken bezahlen. Auswärtige Gäste können ihre Tickets ausschließlich online erwerben und müssen am Eingang einen amtlichen Ausweis vorlegen. Ein Saisonabonnement ist für sie nicht erhältlich.
Begründung der Behörden
Gemeindepräsident Philippe Eggertswyler erklärte gegenüber der Zeitung „24 Heures“: „Es geht nicht darum, Schweizer und Franzosen gegeneinander auszuspielen, sondern darum, die Ruhe zu garantieren.“ Die Maßnahmen seien eine Reaktion auf die Vorfälle im letzten Sommer. Pruntrut liegt nur wenige Kilometer von der französischen Grenze entfernt. Nachdem Schwimmbäder in benachbarten französischen Regionen zeitweise geschlossen worden waren, strömten vermehrt Jugendliche in die 6000-Einwohner-Stadt. Es kam wiederholt zu sexuellen Belästigungen junger Frauen, aggressivem Verhalten, Verstößen gegen die Badeordnung und Polizeieinsätzen wegen Gewalt. Die Stadt sprach insgesamt 20 Hausverbote aus. Selbst ein Sicherheitsdienst konnte die Lage nicht beruhigen. Zudem belasteten die zusätzlichen Kosten den Gemeindehaushalt.
Reaktionen und rechtliche Bedenken
Die Maßnahmen stießen auf heftige Kritik, unter anderem von der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus. Ein pauschales Badeverbot für ausländische Personen sei „problematisch und irritierend“. Statt kollektiver Maßnahmen sollten individuelle Hausverbote gegen konkrete Störer verhängt werden. Auch das aktuelle Preissystem stößt auf rechtliche Bedenken. Dennoch hält sich die Kommune weitere Einschränkungen offen. Ein neues Reglement soll künftig ermöglichen, bei Sicherheitsproblemen oder großem Andrang den Zugang bestimmter Gruppen vorübergehend zu beschränken.
Positive Bilanz der Betreiber
Die Betreiber verweisen dagegen auf positive Erfahrungen mit ihrem harten Kurs. Nach dem Ausländerverbot seien mehr als doppelt so viele Saisonkarten verkauft worden wie im Vorjahr. Lionel Maitre vom zuständigen Gemeindeverband zog eine positive Bilanz: „Die Einheimischen haben ihr Schwimmbad zurückerobert, nun haben wir dort wieder Ruhe und Gelassenheit.“
Geteilte Meinungen unter Badegästen
Auch unter den Badegästen gehen die Meinungen auseinander. Ein Besucher verteidigte die verschärften Vorgaben gegenüber der Zeitung „20 Minuten“ mit den Worten: „Die Franzosen kamen nicht hierher, um eine gute Zeit zu erleben, sondern um Unruhe zu stiften.“ Andere halten die Praxis für ungerecht. „Wir sollten aufhören zu generalisieren und alle Menschen in die gleiche Schublade zu stecken“, sagte ein 24-jähriger Badegast. Seine Freunde aus Frankreich kämen inzwischen nicht mehr zum Schwimmen, weil es ihnen zu teuer geworden sei.



