Der Gropius-Bau in Berlin präsentiert eine umfassende Werkschau der Künstlerin und DDR-Oppositionellen Gabriele Stötzer unter dem Titel „Dabei sein und nicht schweigen“. Die Ausstellung zeigt Werke aus mehreren Jahrzehnten, die im Gefängnis der Staatssicherheit entstanden sind und später in der DDR-Opposition eine Rolle spielten.
Kunst als Überlebensstrategie im Stasi-Knast
Gabriele Stötzer wurde 1953 in Thüringen geboren und in den 1970er Jahren wegen regimekritischer Aktivitäten inhaftiert. Im Gefängnis entdeckte sie die Kunst für sich. „Im Knast fiel mir wieder ein, dass ich als Kind Künstlerin werden wollte“, wird sie in der Ausstellung zitiert. „Wir waren 20 Frauen in einer Zelle. Ich hatte nachts die Weltprobleme zu lösen und dann mussten wir im Dreischichtsystem arbeiten. Mit der Kunst war die Vorstellung von einem anderen Leben verbunden.“
Werkschau vereint Fotografie, Textil und Performance
Die Ausstellung im Gropius-Bau versammelt rund 200 Werke, darunter frühe Fotografien, textile Arbeiten wie das „Römische Korsett“ von 1990 und Videoaufzeichnungen ihrer Performances. Stötzer war Mitbegründerin der Künstlergruppe „Erfurter Gruppe“ und engagierte sich in der Friedensbewegung der DDR. Ihre Kunst thematisiert Unterdrückung, weibliche Identität und den Wunsch nach Freiheit.
Ein Zeichen gegen das Vergessen
Die Werkschau ist Teil der aktuellen Bemühungen, die Kunst der DDR-Opposition sichtbarer zu machen. Kuratorin Gunda Bartels betont: „Stötzers Werk ist ein eindringliches Zeugnis des Widerstands und der Kreativität unter extremen Bedingungen.“ Die Ausstellung läuft bis zum 30. August 2025 und wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet.



