Die Berliner Volksbühne sorgt mit einem geplanten kostenlosen Schwimmbad vor ihrem Gebäude für Aufsehen. Die Aktion, die als Protest gegen die Sparmaßnahmen des Berliner Senats gedacht ist, spaltet die Meinungen. Während die einen von einem cleveren Kunstprojekt sprechen, sehen andere darin eine teure Verschwendung von Steuergeldern. Ein Pro & Contra von Gilbert Schomaker und Iris May.
Ein Bad für alle: Symbol des Widerstands
Befürworter des Projekts sehen in dem Schwimmbad einen wichtigen künstlerischen Protest. Die Volksbühne, bekannt für politisch engagierte Kunst, wolle damit auf die Kürzungen im Kulturbereich aufmerksam machen. „Das Schwimmbad ist ein starkes Symbol gegen die Sparpolitik, die unsere kulturelle Vielfalt bedroht“, so ein Sprecher der Volksbühne. Die Aktion zeige, dass Kunst auch außerhalb der Bühne stattfinden könne und so direkt mit der Bevölkerung in Dialog trete.
Teurer Spaß auf Kosten der Allgemeinheit?
Kritiker hingegen halten das Projekt für einen unnötigen Luxus. Die Kosten für Aufbau und Betrieb des Freibads liegen Schätzungen zufolge im sechsstelligen Bereich. „Während Berlins Kitas und Schulen unter Geldmangel leiden, wird hier ein Luxusbad für ein paar Wochen aufgestellt. Das ist ein Schlag ins Gesicht der Steuerzahler“, wettert ein Sprecher der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Die Aktion sei ein „teurer Bauchklatscher“ und trage nicht zur Lösung der finanziellen Probleme bei.
Protest mit Mehrwert: Das Bad als sozialer Treffpunkt
Die Volksbühne betont, dass das Schwimmbad nicht nur Protest, sondern auch ein Ort der Begegnung sein soll. In den heißen Sommermonaten biete es kostenlose Abkühlung für alle Berliner, unabhängig vom Geldbeutel. „Wir schaffen einen Raum, der Gemeinschaft fördert und zeigt, dass Kultur und öffentlicher Raum zusammengehören“, erklärt ein Kurator. Die Aktion solle zudem zeigen, wie alternative Nutzungen von öffentlichen Flächen aussehen könnten.
Fehlender Bezug zur Realität der Haushaltslage
Gegner entgegnen, dass die Symbolik des Bades angesichts der ernsten Haushaltslage Berlins verfehlt sei. Die Stadt müsse sparen, und ein temporäres Schwimmbad sei das falsche Signal. „Es ist absurd, in Zeiten von Sparzwängen ein solches Luxusprojekt zu finanzieren. Das Geld fehlt an anderer Stelle, etwa bei der Sanierung von Schulbädern“, so ein Sprecher der FDP. Zudem sei die Aktion nur ein kurzer Medienhype, der keine nachhaltige Wirkung entfalte.
Kunst oder Verschwendung: Eine Frage der Perspektive
Letztlich bleibe die Bewertung des Projekts eine Frage des Standpunkts. Für die einen ist es ein kreativer Protest, der wichtige Debatten anstoße. Für die anderen ein unnötiger Kostenfaktor, der von den eigentlichen Problemen ablenke. Die Volksbühne hält an ihrem Plan fest: Das Schwimmbad soll wie angekündigt im Sommer öffnen – und dann zeigt sich, ob es ein Bauchklatscher oder ein Sprung in die richtige Richtung war.



