Im brandenburgischen Dorf Coschen, das knapp 400 Einwohner zählt, wurde am Sonntag der vorläufige deutsche Hitzerekord von 41,7 Grad gemessen. Die Messstation des Deutschen Wetterdienstes zeigte diese Temperatur an. Ortsvorsteherin Birgit Radt beschreibt die Situation als „totalen Temperaturschock“.
„Unser Ort war wie ausgestorben“
„Es war unerträglich drückend, als ob man gegen eine Wand läuft“, berichtet Radt. Die einzige Lösung sei gewesen, zu Hause zu bleiben. „Unser Ort war wie ausgestorben. Niemand hat sich raus getraut und alle haben sich verkrochen.“ Radt ist seit 2019 Ortsvorsteherin in dem Dorf im Landkreis Oder-Spree, das an der Neiße an der Grenze zu Polen liegt. Ihr Haus befindet sich nur etwa einen Kilometer von der Wetterstation entfernt.
Vorbereitung auf den Hitzesonntag
Die 53-Jährige hatte sich gut auf den heißen Tag vorbereitet: Bereits um 6 Uhr morgens klingelte ihr Wecker, um Tiere und Pflanzen zu versorgen. „Da war es noch nicht ganz so heiß.“ Ihr Hund durfte ein morgendliches Bad in der Neiße nehmen, und für die Hühner versuchte Radt, mit einem Rasensprenger eine kühle Zone um ihre Johannisbeersträucher zu schaffen. „Die Hühner waren sehr gebeutelt von der Hitze. Und die Katzen lagen apathisch rum – wir haben uns zwischendrin gefragt, ob sie überhaupt noch atmen.“
Tag im abgedunkelten Zimmer
Den restlichen Tag verbrachte Radt mit ihrem Partner im abgedunkelten Zimmer bei laufendem Ventilator. „Hier war es so erträglich wie möglich.“ Sie vertrieb sich die Zeit mit Büroarbeit. Erst am Abend wagte sie sich wieder vor die Tür, um mit ihrem Hund erneut an den Fluss zu gehen.
Regenguss bringt keine Abkühlung
Zwischen 18 und 19 Uhr gab es einen Regenguss, der Hoffnung auf Abkühlung weckte. Doch stattdessen entstand durch die Nässe eine „Gewächshausstimmung“. Radt arbeitet hauptberuflich als Krankenschwester im Krankenhaus in Guben und weiß um die Belastung durch Hitze. Sie rät, nur nachts zu lüften. Symptome für einen Hitzestich seien bei hohen Temperaturen häufig in der Klinik zu sehen. „Es ist wichtig, sich abzukühlen.“ Bereits vor dem Hitzerekord-Wochenende sei Eis an die Belegschaft verteilt worden.
Hitzeinsel Coschen: Bedarf an Kältepunkten
„Unser Dorf ist eine kleine Hitzeinsel“, sagt Radt. „Wir nehmen das gelassen hin. Mit Temperaturen über 40 Grad weiß in Deutschland niemand so recht umzugehen.“ Als Ortsvorsteherin überlegt sie, ob man die südliche Lebensweise aufgreifen und eine Siesta vorschlagen solle. „Wenn eine solche Hitze jetzt häufiger vorkommt, ist die Frage: Wo schaffen wir Kältepunkte?“, fragt sich Radt. Katastrophenpläne sähen oft Wärmeorte vor, falls Heizungen ausfielen. In Coschen sei das etwa eine Gaststätte am Sportplatz. „Diese Idee sollten wir auf Klimaanlagen ausbauen.“ Es brauche auch in Dörfern Notfallorte, an denen sich Menschen bei Hitze versammeln könnten.
Montag etwas kühler, aber Häuser noch aufgehitzt
Am Montag war es etwas kühler in Coschen, doch die Räume in den Häusern seien noch aufgehitzt, sagt die Ortsvorsteherin. „Alles klebt so ein bisschen.“



