Ehemann von Italiens Familienministerin nach Badeunfall am Lago di Vico vermisst
Ehemann von Ministerin Roccella vermisst – Hasswelle in Italien

Der Ehemann der italienischen Familienministerin Eugenia Roccella wird nach einem Badeunfall am Lago di Vico nördlich von Rom vermisst. Der 84-jährige Luigi Cavallari, Hochschullehrer für Architektur und Bauingenieurwesen, war am Samstag gemeinsam mit seiner Frau auf einem kleinen Boot auf dem See in der Provinz Viterbo unterwegs. Nach übereinstimmenden Berichten italienischer Medien sprang er ins Wasser. Seitdem gilt er als vermisst.

Unklare Umstände des Vorfalls

Die genauen Umstände des Vorfalls sind bislang nicht geklärt. Nach Angaben von „Rai News“ soll Cavallari nach seinem Sprung noch einmal für wenige Augenblicke an der Wasseroberfläche aufgetaucht sein und gesagt haben, dass es ihm nicht gut gehe. Das Boot sei zu diesem Zeitpunkt nicht verankert gewesen und habe sich entfernt, sodass Roccella ihn offenbar nicht mehr rechtzeitig erreichen konnte. Die Ministerin alarmierte daraufhin sofort die Einsatzkräfte.

Groß angelegte Suchaktion am Lago di Vico

Seit dem Notruf läuft auf dem Lago di Vico eine groß angelegte Suchaktion. Feuerwehr, Taucherteams und Spezialkräfte sind im Einsatz. Unterstützt werden sie von ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugen, die mit Kameras und Sonarsystemen den Grund des Sees absuchen. Sonar ist eine Technik, die mit Schallwellen arbeitet und auch dort Hinweise liefern kann, wo Kameras wegen der schlechten Sicht kaum noch etwas erkennen. Zunächst waren Taucher der Feuerwehr Rom vor Ort, die per Hubschrauber zum Einsatzort gebracht worden sein sollen. Später trafen weitere Spezialisten aus Neapel und Florenz ein. Sie brachten Ausrüstung mit, die besonders in trüben Gewässern eingesetzt wird.

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Schwierige Bedingungen für die Retter

Wie schwierig die Bedingungen sind, machte der stellvertretende Präfekt der Provinz Viterbo, Andrea Nino Caputo, deutlich. Er sprach von einer „besonders schwierigen Suche“. Schon knapp unter der Wasseroberfläche sei die Sicht schlecht, sagte Caputo. Mit zunehmender Tiefe nehme sie weiter ab und gehe nahezu gegen null. „Wir tun alles, was möglich ist“, sagte er.

Mögliche Ursache: Kälteschock

Warum Cavallari nach seinem Sprung ins Wasser offenbar in Not geriet, ist weiter offen. Nach Angaben der Zeitung „La Repubblica“ könnte ein sogenannter Kälteschock eine mögliche Erklärung sein. Er entsteht, wenn der Körper plötzlich mit deutlich kälterem Wasser in Berührung kommt. Der Organismus reagiert dann wie unter Schock: Die Atmung kann unkontrolliert werden, Muskeln können verkrampfen, der Kreislauf kann überfordert sein. Gerade in vulkanischen Seen wie dem Lago di Vico können sich die Bedingungen unter der Oberfläche rasch verändern. Was von oben ruhig wirkt, kann darunter unberechenbar sein. Das Wasser ist in größerer Tiefe deutlich kälter als an der Oberfläche; nach bisherigen Angaben sinkt die Temperatur bereits in etwa 15 Metern Tiefe abrupt um mehrere Grad. Hinzu kommen Strömungen, die von außen kaum zu erkennen sind, sowie ein Grund, der von dichter Unterwasservegetation bedeckt ist.

Hasskommentare gegen Roccella – Meloni reagiert scharf

Während die Suche weitergeht, hat der Fall auch eine politische und gesellschaftliche Dimension bekommen. In sozialen Netzwerken häufen sich hasserfüllte Kommentare – teils gegen den Umfang des Rettungseinsatzes, teils direkt gegen Roccella und ihre Familie gerichtet. Einige Nutzer fragten sinngemäß, ob auch nach einem unbekannten Vermissten mit derselben Intensität gesucht worden wäre. Andere verwiesen auf ertrunkene Migranten im Mittelmeer oder auf andere tragische Fälle, die aus ihrer Sicht weniger Aufmerksamkeit erhalten hätten. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verurteilte diese Reaktionen scharf. Auf „X“ schrieb sie, es sei „erschütternd“, in diesen Stunden „niederträchtige und unmenschliche“ Kommentare gegen Eugenia Roccella zu lesen. Es gebe eine Grenze, die niemals überschritten werden dürfe: den Respekt vor menschlichem Leid. Wer in einem derart dramatischen Moment eine Person und ihre Familie angreife, bewege sich, so Meloni, nicht mehr im Feld politischer Auseinandersetzung, sondern im Bereich „moralischen Elends“.

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Anteilnahme aus der Politik

Zugleich bekundeten zahlreiche Regierungsvertreter und Politiker ihre Anteilnahme. Maurizio Lupi, Vorsitzender der Partei Noi Moderati, sprach der Ministerin und ihrer Familie seine „aufrichtige Nähe“ aus. In einem Moment so großer Angst müsse zuerst „Respekt, Stille und menschliche Solidarität“ gelten, erklärte er. Auch Senatspräsident Ignazio La Russa äußerte sich betroffen: In diesen Stunden tiefer Angst sei er der Ministerin und ihren Angehörigen „mit großer Zuneigung“ verbunden.

Roccella wartet in ihrem Elternhaus

Roccella wurde nach dem Vorfall in ihr Elternhaus nahe Viterbo gebracht. Dort wartet sie nach italienischen Medienberichten gemeinsam mit ihren beiden Kindern auf Nachrichten von den Einsatzkräften. Die Ministerin gehört der Regierung von Giorgia Meloni an und ist in Italien eine bekannte, bisweilen kontrovers diskutierte Politikerin.