Hitzewelle in Deutschland: 630 Menschen in Zug ohne Klimaanlage gestrandet
Hitzewelle: 630 Menschen in Zug ohne Klimaanlage gestrandet

Mehr als 600 Passagiere sind ohne Klimaanlage in einem Zug in der Prignitz in Brandenburg gestrandet. Drei Menschen kamen mit Kreislaufproblemen ins Krankenhaus, wie Kreisbrandmeister Christian Reisinger mitteilte. Ein Baum war bei einem Sturm am frühen Samstagabend auf eine Oberleitung gefallen und der Zug der tschechischen Bahn (České dráhy), der von Hamburg nach Prag fahren sollte, verlor seinen Fahrstrom.

Hitzerekord in Deutschland: 41,5 Grad gemessen

Am Samstag wurde mit 41,5 Grad in Drewitz (Sachsen-Anhalt) der zweite Temperaturrekord in Folge aufgestellt. Am Freitag waren es 41,3 Grad in Saarbrücken-Burbach. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet am Sonntag in der Lausitz bis zu 42 Grad. Die vergangene Nacht war mit 29,4 Grad in Kubschütz (Sachsen) die wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen.

Zugunglück in der Prignitz: 630 Menschen ohne Klimaanlage

Ohne Strom fiel die Klimaanlage aus und die Türen blieben verschlossen. Die Einsatzkräfte öffneten die Türen, mussten dafür Bäume aus dem Weg sägen. Im Zug, in dem es laut Reisinger etwa 40 Grad hatte, sichteten die Einsatzkräfte die rund 630 Passagiere. Zwei Menschen kamen mit Kreislaufproblemen ins Krankenhaus. Kinder, Schwangere und ältere Menschen brachte die Feuerwehr aus dem heißen Zug, der Rest musste ausharren. Nach mehreren Stunden kam eine Diesellok, die den Zug nach Karstädt zog. Dort stellte sich heraus, dass es keine Weiterfahrt gab. Die Einsatzkräfte bauten in einer Sporthalle ein Notlager auf. Ein weiterer Mensch kam mit Kreislaufproblemen ins Krankenhaus. Am Morgen brachten Linienbusse die etwa 500 Menschen zum Bahnhof nach Karstädt, wo sie mit zwei ICE weiterreisen konnten.

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Bahn rät von Reisen ab – Hitzeschäden auf Autobahnen

Die Deutsche Bahn rät gemeinsam mit dem Bundesverband Schienennachverkehr (BSN) weiterhin: „Bitte vermeiden Sie heute und morgen alle nicht dringend notwendigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr.“ Auch der Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen ist stark beeinträchtigt. National Express meldete Probleme im Großraum Essen und am Knoten Düsseldorf Hauptbahnhof. Am Samstag hatte der Betreiber zeitweise alle Linien eingestellt.

Auf den Autobahnen gibt es Hitzeschäden: Die A2 bei Burg (Sachsen-Anhalt) ist gesperrt, ebenso die A10 zwischen Berlin-Marzahn und Hellersdorf. Auf der A93 in Bayern ist der linke Fahrstreifen gesperrt.

Hitzetote und Rettungseinsätze

In Dormagen (NRW) wurden Bewohner eines Seniorenheims wegen 35 Grad aus dem Gebäude gebracht. Ein Bewohner starb in der Nacht, die Ursache wird noch geprüft. In Köln kollabierten sieben Personen in Dachgeschosswohnungen, ihre Körpertemperatur lag über 42 Grad. Feuerwehrsprecher Ulrich Laschet sagte: „Wegen der großen Anzahl an Einsätzen werden wir heute unsere Kollegen, die eigentlich frei haben, wieder in den Dienst holen.“

Ein sechsjähriger Junge ertrank im Rhein-Herne-Kanal in Herne. Ein Baby schloss sich in Oberfranken bei 28 Grad im Auto ein, die Feuerwehr schlug die Scheibe ein und rettete das Kind unverletzt.

Politik fordert Hitzeschutzmaßnahmen

Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge fordert ein „Abkühl-Sofortprogramm“ für Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Kitas und Schulen. Der Hausärzteverband wirft der Bundesregierung Versagen beim Hitzeschutz vor. Verbandsvorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth sagte: „Bis heute ist de facto nichts passiert.“ Das Umweltbundesamt fordert Hitzeaktionspläne für Städte. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund ruft zum Wassersparen auf.

Wetteraussichten: Unwettergefahr am Sonntag

Der DWD warnt am Sonntag vor Unwettern mit heftigem Starkregen, Sturmböen und Hagel. In der Lausitz sind bis zu 42 Grad möglich. Ab Montag wird Abkühlung erwartet. Die Waldbrandgefahr steigt in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt auf die höchste Warnstufe.

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