Hitzewelle in Berlin: Rekord, Retter am Limit und Gewitter erwartet
Hitzewelle Berlin: Rekord, Retter am Limit, Gewitter

Am Wochenende wurde in Berlin ein neuer Temperaturrekord aufgestellt: Am Samstag, dem 27. Juni 2026, maß der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Berlin-Tempelhof 39,9 Grad Celsius – und übertraf damit den bisherigen Rekord von 38,9 Grad aus dem Jahr 2015. Die extreme Hitze führte zu einer massiven Belastung für Rettungsdienste, Krankenhäuser und die Infrastruktur. Ab Montagmittag sollen Gewitter aus Südwesten Abkühlung bringen, doch lokal ist mit heftigem Starkregen zu rechnen.

Rekordhitze und ihre Folgen: Feuerwehr im Dauereinsatz

Die Berliner Feuerwehr verzeichnete an beiden Tagen des Hitzewochenendes mehr als 4000 Einsätze. Ein Sprecher der Feuerwehr erklärte, dies entspreche einem Anstieg von knapp einem Drittel im Vergleich zu einem durchschnittlichen Tag mit etwa 1500 Notrufen. „Die Retter waren permanent durchgefahren und bei fast 40 Grad extrem ausgelastet“, so der Sprecher. Die zusätzlich angeforderten Einsatzmittel hätten nicht ausgereicht. Besonders betroffen waren ältere Menschen und Kinder mit hitzebedingten Gesundheitsproblemen wie Schwindel, Erschöpfung und Kreislaufproblemen.

Am Samstag rückte die Feuerwehr zu 2050 Alarmen aus, am Sonntag zu 2083. Hinzu kamen mehr als 120 Brände – etwa doppelt so viele wie üblich. Schwere Einsätze umfassten zwei tödliche Badeunfälle im Hafen Tempelhof und am Jungfernheideteich sowie einen Kreislaufstillstand am U-Bahnhof Innsbrucker Platz.

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Gewitter erwartet: Abkühlung und neue Gefahren

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldete für Montagmittag aufziehende Gewitter aus Südwesten, die lokal heftigen Starkregen mit sich bringen können. In den Abendstunden sollen die Gewitter nach Polen abziehen. Die Temperaturen sollen auf Höchstwerte von 27 bis 31 Grad sinken. Diese Abkühlung wird sehnlich erwartet, birgt aber auch Risiken: In der Nacht zu Montag brachte die Feuerwehr einen Waldbrand in der Gohrischheide an der Grenze zwischen Sachsen und Brandenburg unter Kontrolle. Das sächsische Innenministerium rechnet damit, dass das Feuer dank des erhofften Regens noch am Montag gelöscht werden kann.

Bruno-Mars-Konzert und Polizei-Wasserwerfer als Abkühlung

Trotz der Hitze fand am Sonntagabend das Konzert von Bruno Mars im Olympiastadion statt. Der Sänger trug ein kurzes DFB-Trikot, um der Hitze zu trotzen. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, um die Besucher zu erfrischen. Bereits am Samstag waren zwei Wasserwerfer am Brandenburger Tor und am Potsdamer Platz im Einsatz. Polizeipräsidentin Barbara Slowik-Meisel dankte den Einsatzkräften, die „am Wochenende bei diesen extremen Wetterbedingungen ihren Dienst für die Sicherheit dieser Stadt leisten“. Die Besatzungen der Wasserwerfer seien extra aus dem Wochenende in den Dienst zurückgekehrt.

Im Club „Else“ am Treptower Park feierten Gäste trotz Hitze unter freiem Himmel. Der Türsteher, der anonym bleiben wollte, kühlte die Gäste mit Wassernebel aus einer Sprühflasche und erinnerte sie daran, viel Wasser zu trinken. „Ich bin der Papa hier und passe auf alle meine Kinder auf“, sagte er. Wasser sei im Club kostenlos, und es gebe Sprünelanlagen.

Gesundheitsnotfälle: Krankenhäuser und Rettungsdienste überlastet

Das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) meldete eine deutliche Häufung von Patienten mit Hitzeschäden. Besonders Senioren aus Pflegeheimen litten unter Exsikkose (Austrocknung), die bis zum Nierenversagen führte. Eine Sprecherin des UKB erklärte: „Da das UKB Berlin auf Massenanfälle von Verletzten vorbereitet ist, hätte das Krankenhaus ausreichend Kapazitäten und Personal, um dem erhöhten Aufkommen entgegenzuwirken.“ Allerdings sei mit längeren Wartezeiten zu rechnen. Bei leichten Symptomen solle der Kassenärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 kontaktiert werden.

Die Malteser meldeten eine technische Störung an ihren Hausnotrufgeräten, die seit Sonntagmorgen einen Teil der Kunden betraf. Die Geräte blinkten und konnten keine Verbindung zum Mobilfunkbetreiber herstellen. Die Organisation rief Kunden auf, sich mit Angehörigen in Verbindung zu setzen oder bei akuten Beschwerden den Rettungsdienst unter 112 zu rufen.

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Verkehrschaos: Hitzeschäden auf Autobahnen und Zugausfälle in Polen

Die Hitze führte zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Auf der A115 hob sich der Asphalt an, sodass die Autobahn zwischen Potsdam-Drewitz und Saarmund gesperrt werden musste. Auch auf der A2 zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt wurden die Hitzeschäden immer größer. Ein Polizeisprecher sagte: „Die A2 geht immer weiter kaputt. Der betroffene Streckenabschnitt bei Ziesar wird immer größer.“ Die Sperrungen führten zu erheblichen Staus, und die Polizei empfahl, die A2 weiträumig zu umfahren.

In Polen brach der gesamte Zugverkehr wegen der Hitze zusammen. Diverse Hochgeschwindigkeitszüge blieben auf der Strecke liegen und blockierten die Gleise. Am Warschauer Hauptbahnhof herrschte Chaos: Einzelne Züge hatten bis zu fünf Stunden Verspätung. Hunderte Reisende mit Ziel Berlin waren gestrandet, und es gab keine verlässlichen Informationen über Verbindungen in die deutsche Hauptstadt.

Badeunfälle und Rettungseinsätze an Gewässern

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) verzeichnete in Berlin über das Wochenende etwas mehr als 100 Einsätze. Ein DLRG-Sprecher sagte: „Auffällig ist, dass 76 davon medizinische Einsätze waren, also Kreislaufprobleme, Bewusstseinseintrübungen oder Schnittwunden.“ Vier Personen wurden vermisst, aber alle vier Fälle endeten glücklich. Die beiden tödlichen Badeunfälle am Jungfernheideteich und im Hafen Tempelhof ereigneten sich so schnell, dass eine Alarmierung der DLRG nichts gebracht hätte.

Am Sonntagabend wurde eine weitere Suchaktion im Langen See in Schmöckwitz abgebrochen, da eine Person vermisst wurde. Die Suche sollte am Montag fortgesetzt werden.

Auswirkungen auf den Alltag: Freibäder überfüllt, Ventilatoren ausverkauft

Die Berliner Freibäder waren am Wochenende komplett überfüllt. Bereits am frühen Morgen bildeten sich lange Schlangen vor den Sommerbädern. Der Ticketverkauf wurde gestoppt, und nur noch Menschen mit Zeitfenster-Tickets oder Abo wurden eingelassen. In Neukölln waren Ventilatoren in Baumärkten und Elektronikfachgeschäften ausverkauft. Leere Paletten und „Ausverkauft“-Schilder zeugten von der hohen Nachfrage.

In Friedrichshain blieb ein Rewe-Getränkemarkt wegen extremer Hitze geschlossen. Auf einem Hinweisschild hieß es, da es keine Klimaanlage gebe, sei es unverantwortlich, bei diesen Temperaturen körperlich zu arbeiten.

Kühle Orte und improvisierte Abkühlung

Die Website kühle-orte.berlin zeigte zahlreiche Orte mit angenehm niedrigen Temperaturen an, doch die meisten hatten sonntags geschlossen. Viele Berliner suchten Abkühlung an Brunnen, obwohl das Baden in Zierbrunnen grundsätzlich nicht erlaubt ist. Die Bezirksämter verwiesen auf das Grünanlagengesetz, wonach Baden nur auf besonders ausgewiesenen Flächen gestattet ist. In der Praxis blieb es meist bei mündlichen Verwarnungen.

Der Alexanderplatz glich einer steinigen Wüste, und Touristen suchten Schutz im Schatten. Auf dem Flohmarkt am Boxhagener Platz, der nicht hitzebedingt abgesagt hatte, berichteten Händler von guten Geschäften mit Fächern, Handventilatoren, Sonnenbrillen und Caps.

Ausblick: Gewitter bringen ersehnte Abkühlung

Die neue Woche soll die ersehnte Abkühlung bringen. Ab Montagmittag werden Gewitter erwartet, die die Temperaturen auf maximal 31 Grad senken. Lokal ist mit heftigem Starkregen zu rechnen. Die Feuerwehr bleibt jedoch in Alarmbereitschaft, da die Gewitter auch neue Gefahren wie umgestürzte Bäume oder überflutete Keller mit sich bringen können.