Mit 39,9 Grad wurde am Samstag in Berlin-Tempelhof ein neuer Hitzerekord gemessen, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. Der bisherige Rekord lag bei 38,9 Grad, gemessen am 7. August 2015 in Berlin-Kaniswall. In Brandenburg wurden sogar 40,8 Grad in Baruth registriert. Ab den Mittagsstunden am Montag sollen jedoch aus Südwesten aufziehende Gewitter für Abkühlung sorgen. Lokal ist heftiger Starkregen möglich, insbesondere im Süden Brandenburgs. Die Temperaturen sollen nur noch Höchstwerte von 27 bis 31 Grad erreichen. In den Abendstunden ziehen die Gewitter nach Polen ab.
Rekordhitze am Wochenende: Feuerwehr und Rettungsdienst im Dauereinsatz
Die Berliner Feuerwehr zählte am Samstag 2055 Einsätze – rund 500 mehr als an einem durchschnittlichen Tag. Der Schwerpunkt lag auf der Notfallrettung: Wegen Kreislaufproblemen und Kollaps mussten die Einsatzkräfte besonders häufig ausrücken. Zudem gab es mit mehr als 120 Bränden etwa doppelt so viele Feuer wie sonst. „Die Einsätze häufen sich“, sagte ein Feuerwehrsprecher dem Tagesspiegel. Auch am Sonntag rechnete die Feuerwehr mit einem „Großkampftag“. Besonders schwere Einsätze umfassten zwei tödliche Badeunfälle am Jungfernheideteich und im Hafen Tempelhof, bei denen Reanimationsversuche erfolglos blieben. Am U-Bahnhof Innsbrucker Platz erlitt ein Fahrgast einen Kreislaufstillstand; Ersthelfer begannen noch vor Eintreffen der Rettungskräfte mit der Reanimation.
DLRG mit über 100 Einsätzen – Medizinische Notfälle dominieren
Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) verzeichnete in Berlin über das Wochenende bis Sonntagnachmittag etwas mehr als 100 Einsätze. „Auffällig ist, dass 76 davon medizinische Einsätze waren, also Kreislaufprobleme, Bewusstseinseintrübungen oder Schnittwunden“, sagte ein DLRG-Sprecher der dpa. Vier Personen wurden vermisst, aber alle Fälle endeten glimpflich. Bei den beiden tödlichen Badeunfällen war die DLRG nicht beteiligt, da die Opfer schnell an Land gebracht wurden.
Polizei setzt Wasserwerfer ein – Abkühlung am Olympiastadion und Brandenburger Tor
Die Berliner Polizei war am Wochenende mit Wasserwerfern im Einsatz, um die Bevölkerung zu erfrischen. Am Sonntag gegen 16.20 Uhr traf ein Fahrzeug am Olympiastadion ein, um Besucher des Bruno-Mars-Konzerts zu kühlen. Polizeipräsidentin Barbara Slowik-Meisel dankte den Einsatzkräften, die „bei diesen extremen Wetterbedingungen ihren Dienst für die Sicherheit dieser Stadt leisten“. Die Besatzungen der Wasserwerfer waren extra aus dem Wochenende zurückgekehrt. Am Samstag waren zwei Wasserwerfer am Brandenburger Tor und Potsdamer Platz im Einsatz, wo sie insgesamt 18.000 Liter Wasser versprühten.
Krankenhäuser melden deutliche Zunahme von Hitzepatienten
Das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) verzeichnete am Hitzewochenende eine deutliche Häufung von Patienten mit Hitzeerscheinungen wie Schwindel und Kopfschmerzen. Besonders Senioren aus Pflegeheimen kamen mit Exsikkose (Austrocknung) in die Klinik, die in einigen Fällen zu Nierenversagen führte, wie eine Sprecherin mitteilte. Das UKB sei auf Massenanfälle vorbereitet, dennoch müssten Betroffene mit längeren Wartezeiten rechnen. Bei leichten Symptomen wurde der Kassenärztliche Bereitschaftsdienst unter der 116117 empfohlen.
Brunnenbaden in Berlin verboten – Ordnungswidrigkeit, aber meist nur Verwarnung
Während in Basel das Baden in Brunnen zum Sommer gehört, ist es in Berlin grundsätzlich nicht erlaubt. Mehrere Bezirksämter, darunter Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte, wiesen darauf hin, dass Zierbrunnen keine Schwimmbäder seien und das Wasser kein kontrolliertes Badewasser sei. Wer sich dennoch abkühlt, begeht eine Ordnungswidrigkeit – in der Praxis bleibt es aber meist bei einer mündlichen Verwarnung.
Ventilatoren ausverkauft – Hitze beeinträchtigt Zugverkehr und Infrastruktur
In Neukölln waren Ventilatoren in Baumärkten, Elektronikfachgeschäften und Haushaltswarenläden ausverkauft. Leere Paletten und „Ausverkauft“-Schilder prägten das Bild. Die Hitze legte auch den polnischen Zugverkehr lahm: Diverse Hochgeschwindigkeitszüge blieben auf der Strecke liegen, mussten evakuiert werden und blockierten die Gleise. Am Warschauer Hauptbahnhof herrschte Chaos; der Eurocity nach Berlin hatte fast drei Stunden Verspätung. In Berlin fielen zahlreiche Ampeln aus – 19 Ampeln oder Spuranzeiger waren laut RBB-Inforadio außer Betrieb.
Schulen ohne Klimaanlagen – Freibäder überfüllt
Eine Anfrage des Tagesspiegels bei der landeseigenen Baugesellschaft Howoge ergab, dass Schulneubauten in Berlin bislang auf außenliegende Lamellenjalousien, Lüftungsanlagen und Nachtauskühlung setzen – Klimaanlagen werden nicht eingebaut. Die Freibäder waren am Wochenende hoffnungslos überfüllt; der Ticketverkauf wurde gestoppt. Bereits am Samstag waren die Sommerbäder komplett voll, lange Warteschlangen bildeten sich schon am frühen Morgen.
Bruno Mars und Berghain: Feiern trotz Hitze
Bruno Mars trat am Sonntag im DFB-Trikot auf – eine luftige Alternative zum roten Overall vom Freitag. Das Olympiastadion lockerte die Regeln: Alkoholfreie Getränke in Tetrapaks oder Weichplastikflaschen durften mitgebracht werden, ebenso Hand- und Nackenventilatoren. Vor dem Berghain bildete sich um die Mittagszeit eine Schlange von nur vier Personen – ein seltener Anblick. Ein Partygänger spekulierte, dass die dicken Wände des Clubs die Wärme abhalten könnten. Im Club „Else“ am Treptower Park kühlte der Türsteher die Gäste mit Wassernebel aus einer Sprühflasche und trug ein Halstuch mit Eiswürfeln – sein „Lebensretter“.



