Ein Leben im Kampf gegen Ungerechtigkeit
Jean Ziegler, der wohl bekannteste und zugleich umstrittenste Intellektuelle der Schweiz, ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Der Soziologe, Politiker und Autor wurde durch seinen unermüdlichen Kampf gegen das Schweizer Bankgeheimnis und den globalen Hunger weltberühmt. Selbst seine Gegner schätzten ihn für seine Überzeugungskraft und Integrität.
Vom Nestbeschmutzer zur Respektsperson
Ziegler, der oft als Nestbeschmutzer bezeichnet wurde, scheute nie die Konfrontation mit den Mächtigen. Er prangerte die Rolle der Schweizer Banken bei der Geldwäsche und Steuerhinterziehung an und forderte eine gerechtere Verteilung der Ressourcen. Seine Kritik am Kapitalismus und an der Welthungerhilfe machte ihn zu einer polarisierenden Figur. Dennoch gewann er im Laufe der Jahre auch Respekt von seinen Gegnern, die seine Hartnäckigkeit und sein Engagement anerkannten.
Ein Leben für die Politik und die Wissenschaft
Geboren 1934 in Bern, studierte Ziegler Soziologie und wurde später Professor an der Universität Genf. Er war Mitglied der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz und saß von 1981 bis 1999 im Nationalrat. Daneben war er als UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung tätig. Seine Bücher wie „Die Schweiz, das Gold und die Toten“ oder „Der Hass auf den Westen“ wurden Bestseller und lösten heftige Debatten aus.
Kampf gegen den Hunger
Ein zentrales Anliegen Zieglers war der Kampf gegen den globalen Hunger. Er kritisierte scharf die Agrarpolitik der Industrienationen und die Spekulation mit Nahrungsmitteln. In seinen Reden und Schriften forderte er eine radikale Umverteilung von Macht und Ressourcen. Sein unermüdlicher Einsatz brachte ihm weltweit Anerkennung ein, aber auch Anfeindungen von Seiten der Wirtschaft und Politik.
Ein Vermächtnis der Kontroversen
Jean Ziegler hinterlässt ein umfangreiches Werk und eine polarisierende Erinnerung. Für die einen war er ein Prophet der Gerechtigkeit, für die anderen ein gefährlicher Ideologe. Doch unbestritten ist, dass er die Schweiz und die internationale Gemeinschaft immer wieder zum Nachdenken gezwungen hat. Sein Tod markiert das Ende einer Ära des intellektuellen Widerstands gegen die Mächtigen dieser Welt.



