Schweizer Soziologe Jean Ziegler mit 92 Jahren gestorben
Jean Ziegler, streitbarer Soziologe, ist tot

Der Schweizer Soziologe und frühere Politiker Jean Ziegler ist tot. Seine Frau bestätigte dies unter anderem dem Schweizer Rundfunk RTS. Ziegler wurde 92 Jahre alt.

Ein Leben im Kampf gegen Ungerechtigkeit

Ziegler saß jahrelang für die Sozialdemokraten im Schweizer Parlament. Als Autor und Uno-Berater kämpfte der Soziologieprofessor der Universität Genf unermüdlich gegen Ungerechtigkeit in der Welt. Er kritisierte die Globalisierung und die Profitgier sowie, wie er es nannte, die „verlogene Herrschaftsschicht“. In seiner Heimat wurde er oft als Nestbeschmutzer verunglimpft.

Bekannte Werke und Kontroversen

Bekannt wurde Ziegler 1976 mit dem Buch „Eine Schweiz, über jeden Verdacht erhaben“, in dem er Schweizer Konzernen Profite auf Kosten der Ärmsten vorwarf. In „Die Schweiz wäscht weißer“ (1990) stellte er sein Land als Finanzdrehscheibe des internationalen Verbrechens dar. In „Die Schweiz, das Gold und die Toten“ prangerte er 1997 die Verstrickung von Schweizer Geldinstituten mit den Nazis und den Umgang mit Guthaben von Holocaustopfern auf Schweizer Konten an.

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Bestsellerautor und Kritiker

Mehrere seiner Bücher wurden Bestseller, aber reich wurde Ziegler nie. Er musste Hunderttausende Franken wegen Verleumdung an Leute zahlen, die er angegriffen hatte. Als Uno-Berater kritisierte Ziegler auch die Produktion von Biotreibstoffen in ärmeren Ländern, die auf Kosten des Nahrungsmittelanbaus gehe. Er forderte ein Bleiberecht für Hungerflüchtlinge in wohlhabenden Staaten und einen Verhaltenskodex für transnationale Konzerne.

Politische Fehleinschätzungen

Umstritten blieb Ziegler wegen politischer Fehleinschätzungen. Lange verteidigte er Pol Pot, der in den Siebzigerjahren in Kambodscha einen marxistischen Bauernstaat errichten wollte und Millionen Menschen ermorden ließ. 1989 beriet Ziegler Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi; später bezeichnete er das als Fehler. Er unterstützte auch Venezuelas Präsidenten Hugo Chávez und ließ kein schlechtes Wort auf Kuba kommen.

Lebenswerk und Vermächtnis

Mit 90 sagte Ziegler, er habe mit seinen Büchern Wirkung erzielt, der Kampf gehe aber weiter. Er zitierte Bertolt Brecht: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ Ziegler lebte zuletzt in Russin bei Genf. Der SPIEGEL sprach 2017 mit Ziegler. Was er über antikapitalistische Parolen von rechts und links, fehlende Selbstkritik und die Bilanz seines Lebens sagte, lesen Sie hier.

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