Schülerverhalten als Hauptbelastungsfaktor im Lehrerberuf
Laut dem aktuellen Deutschen Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung empfinden 46 Prozent der befragten Lehrkräfte das Verhalten ihrer Schülerinnen und Schüler als größte berufliche Belastung. Dies stellt einen deutlichen Anstieg dar: Vor zwei Jahren lag dieser Anteil noch bei 35 Prozent. Die repräsentative Umfrage, die vom Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführt wurde, zeigt, dass die Probleme im Klassenzimmer zunehmen.
Weitere Belastungsfaktoren: Heterogenität und Arbeitsdruck
Als zweitgrößte Belastung nennen 34 Prozent der Lehrkräfte die Heterogenität im Klassenzimmer, also die großen Leistungsunterschiede zwischen den Schülern. Dahinter folgen hohe Arbeitsbelastung und Zeitmangel mit 27 Prozent. Die Umfrageergebnisse basieren auf Befragungen von 1.547 Lehrkräften an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen zwischen dem 11. November und 2. Dezember 2025. Die Fehlertoleranz liegt bei drei Prozentpunkten.
Unterschiede nach Schulart und konkrete Probleme
Die Belastung durch das Schülerverhalten variiert stark nach Schulart. Lehrkräfte an Haupt-, Real- und Gesamtschulen sowie an Berufsschulen nehmen das Verhalten ihrer Schüler deutlich häufiger als belastend wahr als ihre Kollegen an Grundschulen oder Gymnasien. Konkret werden mangelnde Motivation, fehlender Lernwille, psychische Probleme, Aggressivität und Konzentrationsprobleme genannt. Experten verweisen zudem auf den Einfluss sozialer Medien.
Zusammenhang mit psychischer Belastung der Schüler
Katharina Thoren, Bildungsexpertin der Robert Bosch Stiftung, betont, dass die Beobachtungen der Lehrkräfte mit den Ergebnissen einer Schülerbefragung der Stiftung vom März übereinstimmen. Diese hatte einen Anstieg psychischer Belastungen bei jungen Menschen gezeigt. „Das könne sich auf das Verhalten der Schüler auswirken“, so Thoren. Auch Kriege und Krisen weltweit könnten eine Rolle spielen.
Hohe Berufszufriedenheit trotz Belastungen
Trotz der Herausforderungen übt die große Mehrheit der Lehrkräfte ihren Beruf gerne aus: 83 Prozent sind mit ihrer Arbeit zufrieden. Allerdings sehen viele Nachholbedarf in der Ausbildung. 47 Prozent der Befragten wünschen sich Fortbildungen im Umgang mit psychisch belasteten Schülern, und 82 Prozent möchten mehr Wissen darüber, wie sie Kompetenzen wie Empathie, Teamfähigkeit, Selbstständigkeit oder kritisches Denken fördern können.
Forderung nach multiprofessionellen Teams
Katharina Thoren betont jedoch, dass Fortbildungen allein nicht ausreichen. „Die Schulen bräuchten dringend multiprofessionelle Teams, also etwa Sozialarbeiter, Schulpsychologen oder IT-Spezialisten. Damit Lehrkräfte sich wieder voll auf das konzentrieren können, was ihre eigentliche Aufgabe ist: guten Unterricht.“ Das Deutsche Schulbarometer wird seit 2019 regelmäßig von der Robert Bosch Stiftung durchgeführt, um die aktuelle Situation an deutschen Schulen zu erfassen.



