Millionenerbe: Kai Viehof verschenkt sein Vermögen für die Demokratie
Kai Viehof verschenkt sein Millionen-Erbe für Demokratie

Mönchengladbach. Kai Viehof, Enkel des Allkauf-Gründers, entspricht kaum dem Klischee eines Bilderbuch-Millionärs. Mit schmalen Schultern, schwarzem T-Shirt und Hemd, strubbeligem Bart und Ohrringen trat er zurückhaltend in der ARD-Talkshow „Hart aber fair“ auf. Sein Großvater baute in den 1960er-Jahren die Handelskette „Allkauf“ auf und verkaufte sie 1998 für rund eine Milliarde Mark an die Metro AG. Doch Viehof lehnte seinen Anteil ab – er ist Teil einer neuen Generation von Millionären, die ihr Geld nicht vermehren, sondern verteilen wollen.

Der Weg zum Verzicht

Bereits mit 17, nach dem Verkauf des Unternehmens, beschloss Viehof, sein Erbe zu spenden. Sein Vater schenkte ihm früh Aktien und andere Werte im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Das eigentliche Erbe, einen bis zu dreistelligen Millionenbetrag, schlug er jedoch aus. „Wenn ich darüber verfüge, kann ich das auch für andere Zwecke einsetzen“, sagt er. Stattdessen floss das Geld in eine gemeinnützige Stiftung, für die sein Vater vertretungsberechtigt ist.

Vom verbleibenden mittleren zweistelligen Millionenbetrag behält Viehof ein Achtel für sich und seine Familie als Sicherheitspuffer. Die restlichen sieben Achtel will er spenden oder in Unternehmen investieren, die gesellschaftliche statt finanzielle Rendite versprechen.

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Schwerpunkt Demokratie

Sein Hauptaugenmerk liegt auf der Demokratieförderung. „Ohne Demokratie kann man alle weiteren Themen vergessen“, so Viehof. Er unterstützt unter anderem Hate Aid, Correctiv, Brand New Bundestag und die Bürgerbewegung Finanzwende. Jährlich fließen sechsstellige Beträge an diese Organisationen. Auch setzt er sich öffentlich für eine Vermögensteuer und eine Reform der Erbschaftsteuer ein.

Spenden mit Bedacht

Viehof hat gelernt, dass Spenden gelernt sein will. Er stückelt höhere Beträge über mehrere Jahre, damit Organisationen langfristig planen können. Bereits hat er Projekte nicht weiter unterstützt, was ihm die Macht des Geldes bewusst macht. „Dahinter stehen Einzelschicksale von Personen, die ihren Job verlieren“, sagt er.

Zu seinen Impact-Investments zählen ein Darlehen von 750.000 Euro an das Tampon-Start-up Vyld und die Unterstützung des Porridge-Start-ups Haferkater beim Wechsel ins Verantwortungseigentum. Wenn die Geschäfte gut laufen, bekommt er das Geld mit gedeckelter Verzinsung zurück.

Eine neue Generation von Erben

Felix Oldenburg, Chef des Stiftungs-Start-ups Bcause, sieht in Viehof einen Vertreter einer neuen Generation von Erben, die die Krise der Demokratie bewusst wahrnehmen. „Sich sichtbar zu engagieren, ist für diese Erben eine Lose-lose-Situation“, sagt Oldenburg. Sie werden sowohl von denen kritisiert, die zu wenig spenden, als auch von denen, die zu viel spenden. Viehof gehört zu denen, die trotzdem darüber reden.

Sein Verhältnis zum Vater hat sich verbessert. „Er ist in Diskussionen bei mir, dass sich da was tun muss“, sagt Viehof. Was er immer verhindern wollte, ist gelungen: Sie sind keine Geschäftspartner geworden, sondern fast Verbündete.

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