Warum Kinder nie ohne Aufsicht mit Hunden allein sein sollten
Kinder nie allein mit Hunden: Experten warnen

Der tragische Tod der vierjährigen Matilda aus Sachsen-Anhalt, die in der Wohnung ihrer Familie von einem Pitbull tödlich verletzt wurde, hat ganz Deutschland erschüttert. Die genauen Hintergründe sind noch unklar, aber der Fall macht auf ein bekanntes Problem aufmerksam: Immer wieder werden kleine Kinder von ihren eigenen Familienhunden gebissen. Für viele Eltern ist das kaum vorstellbar, da der eigene Hund als lieb, geduldig und vertraut gilt. Doch genau darin liegt die Gefahr, warnen Hundeexperten.

„Ein Hund ist kein Babysitter“

Hundetrainerin Katharina Marioth betont: „Ein Hund ist kein Spielzeug und kein Babysitter – auch nicht der ruhigste Familienhund.“ Kinder könnten die Körpersprache eines Hundes noch nicht richtig einschätzen und sollten daher nie unbeaufsichtigt mit Hunden allein gelassen werden. Selbst freundliche Familienhunde zeigen in manchen Situationen Stress oder Abwehr, oft lange bevor Erwachsene die Warnsignale bemerken.

Hundepsychologin Manuela Lieflaender ergänzt, dass nicht jeder Hund für das Leben mit kleinen Kindern geeignet sei. „Kein Hund kommt als Familienhund auf die Welt.“ Manche Tiere seien mit Lärm, Hektik und den unvorhersehbaren Bewegungen kleiner Kinder dauerhaft überfordert.

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Alltagssituationen als Auslöser

Nach Einschätzung beider Expertinnen entstehen die meisten Bissverletzungen nicht durch aggressive Hunde, sondern durch alltägliche Situationen. Dazu gehören das Stören beim Fressen oder Schlafen, Umarmen oder Küssen des Tieres sowie fehlende Aufsicht. „Warnsignale wie Gähnen, Ablecken der Lefzen, Wegdrehen oder Anspannen werden meist übersehen, bis der Hund zum letzten Mittel greift: dem Schnappen oder Beißen“, erklärt Marioth.

Lieflaender verweist auf Studien, wonach besonders kleine Kinder gefährdet sind. „Kleine Kinder haben noch kein Gefahrenverständnis. Sie missinterpretieren das Drohen oder Zurückweichen eines Hundes als Spiel.“ Viele Bisse passieren, weil Hunde erschreckt oder in die Enge getrieben werden und keinen anderen Ausweg sehen.

Prävention beginnt bei den Eltern

Für beide Expertinnen liegt der Schlüssel bei den Erwachsenen. „Prävention beginnt daher nicht beim Hund, sondern bei uns“, sagt Marioth. Kinder sollten früh lernen, respektvoll mit Hunden umzugehen, während Hunde feste Rückzugsorte brauchen und Begegnungen zwischen beiden immer aktiv begleitet werden sollten.

Lieflaender ist überzeugt, dass viele Beißvorfälle vermeidbar wären. „Nämlich dann, wenn die Eltern dazu in der Lage gewesen wären, Hundeverhalten richtig interpretieren und einschätzen zu können.“ Kinder und Hunde müssten gleichermaßen lernen, respektvoll miteinander umzugehen – dafür brauche es Zeit, klare Regeln und Erwachsene, die beide Seiten verstehen.

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