Kirsten Sahling: Das Phantom auf dem roten Mountainbike
Am 20. Juni 2009 wurde die 39-jährige Charité-Psychologin Kirsten Sahling im Spandauer Forst brutal ermordet. Der Täter, ein junger Mann auf einem roten Mountainbike, konnte trotz intensiver Ermittlungen nie gefasst werden. Der Fall gilt bis heute als einer der rätselhaftesten Cold Cases Berlins.
Der Tathergang
Gegen 8.40 Uhr an jenem Sommermorgen trennte sich das Ehepaar Sahling im Wald. Während ihr Mann joggte, praktizierte Kirsten Sahling Qigong-Übungen. Einem Jogger war bereits ein junger Mann mit blonden Haaren und weißer Kleidung auf einem roten Mountainbike aufgefallen, der ihn verfolgte. Wenig später stieß dieser Radfahrer auf Kirsten Sahling und stach mehrmals mit einem Messer auf sie ein. Die Psychologin brach zusammen und verblutete trotz sofortiger Hilfe.
Die letzten Worte des Opfers
Kirsten Sahling konnte den Helfern noch eine detaillierte Beschreibung des Täters geben: etwa 15 bis 20 Jahre alt, mittelblonde Haare, 1,75 Meter groß, gepflegtes Äußeres, bekleidet mit weißer Kleidung, unterwegs auf einem knallroten Fahrrad. Sie betonte, der Mann sei ihr völlig fremd gewesen. Ihre letzten Worte galten ihrem Ehemann: „Bitte sagt meinem Mann, dass ich ihn liebe.“
Die Ermittlungen
Die Polizei leitete sofort eine Großfahndung ein, durchkämmte das Waldgebiet mit Spürhunden und suchte nach der Tatwaffe, die bis heute verschwunden ist. DNA-Spuren des Täters wurden nicht gefunden. Ein entscheidender Hinweis ergab sich aus einer Überwachungskamera des nahegelegenen Johannisstifts. Sie zeigte einen Radfahrer in Weiß, der kurz nach der Tat das Gelände passierte. Die Aufnahme ist unscharf, aber die Ermittler sind überzeugt, dass es sich um den Mörder handelt. Eine zweite Kamera, die schärfere Bilder hätte liefern können, war leider defekt.
Der Täter bleibt unerkannt
Die Staatsanwaltschaft setzte eine Belohnung von 5000 Euro aus, doch Hunderte Hinweise führten nicht zum Erfolg. Die Ermittler überprüften unter anderem Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser in der Umgebung, da der Täter möglicherweise als Pfleger arbeitete. Auch das persönliche Umfeld von Kirsten Sahling wurde durchleuchtet – ohne Ergebnis. Der Fall entwickelte sich zum Cold Case.
Bis heute ungelöst
Mehr als 17 Jahre nach der Tat ist die Frage nach dem Motiv und der Identität des Täters offen. Chefermittler Thomas Behle äußerte die beunruhigende These: „Vielleicht wollte der Täter einfach einen Menschen sterben sehen.“ Der Ehemann von Kirsten Sahling ließ im Spandauer Forst eine Gedenktafel errichten, die mit den Worten endet: „Was hat sie getan, dass sie sterben musste? Ich bin fassungslos und werde Dich nie vergessen.“
Hoffnung auf neue Hinweise
Die Polizei gibt den Fall nicht auf. Die 7. Mordkommission des Landeskriminalamts nimmt weiterhin Hinweise entgegen unter der Telefonnummer 030 4664 911701. Auch anonyme Hinweise sind willkommen. Jeder noch so kleine Hinweis könnte helfen, das Phantom auf dem roten Mountainbike zu fassen.



