Ende einer Ära: Kult-Friseursalon Harry auf St. Pauli schließt
Der legendäre Friseursalon Harry an der Davidstraße 23 auf St. Pauli schließt nach mehr als 50 Jahren seine Pforten. Die Betreiber Ute Bickeleit (63) und Franz Stenzel (81) blicken auf eine bewegte Geschichte zurück, in der Zuhälter, Taxifahrer und Prominente gleichermaßen zu den Kunden zählten. „Harry hat den Beatles die legendären Pilzfrisuren geschnitten“, erinnert sich Stenzel. Der Salon war nicht nur ein Friseurladen, sondern ein Stück Kiez-Kultur.
Ein Treffpunkt für alle: Vom Zuhälter bis zum Star
Der Salon, ursprünglich von Harry geführt, entwickelte sich schnell zu einem Anlaufpunkt für die bunte Mischung des Viertels. „Man lernt den Kiez nur richtig kennen, wenn man tagsüber dort arbeitet“, sagt Bickeleit. Neben den Beatles kamen auch andere Berühmtheiten, doch der Alltag war geprägt von den Bewohnern des Viertels: Hafenarbeiter, Prostituierte, Musiker. Stenzel, der den Salon später übernahm, pflegte einen lockeren Umgangston. „Hier wurde nicht nur die Haare geschnitten, sondern auch über Gott und die Welt diskutiert“, so der 81-Jährige.
Warum der Salon schließen muss
Die Gründe für die Schließung sind vielfältig. Gestiegene Mieten und veränderte Kundenströme machten den Betrieb zunehmend unwirtschaftlich. „Die Zeiten ändern sich, und wir müssen uns dem beugen“, erklärt Bickeleit. Der Salon war eine Institution, aber die wirtschaftliche Realität ließ keine andere Wahl. Viele Stammkunden sind traurig, doch die Betreiber zeigen Verständnis für die Entwicklung. „St. Pauli ist nicht mehr das, was es einmal war“, fügt Stenzel hinzu.
Erinnerungen an eine besondere Zeit
Die beiden Betreiber blicken mit Wehmut, aber auch Stolz auf die vergangenen Jahrzehnte zurück. „Wir haben Generationen von Kunden begleitet“, sagt Bickeleit. Besonders die Geschichten der älteren Kunden werden ihnen in Erinnerung bleiben. „Jeder hatte seine eigene Geschichte, und wir waren Teil davon.“ Der Salon war mehr als ein Geschäft – er war ein sozialer Treffpunkt. Mit der Schließung geht ein Stück St. Pauli verloren, das viele vermissen werden.



