New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani hat die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA genutzt, um ein eigenes, bezahlbares Fußballfest zu inszenieren. Während die Fifa mit Rekordeinnahmen von rund 8,9 Milliarden Dollar rechnet, setzt der 34-jährige Demokratische Sozialist auf günstige Tickets, eigene Trikots und kostenlose Fan-Events. Sein Ansatz steht im starken Kontrast zu Fifa-Chef Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump, die das Turnier kommerziell und politisch nutzen.
Mamdani im Gefängnis: WM-Fieber hinter Gittern
Zum Halbfinale der Weltmeisterschaft besuchte Mamdani freiwillig ein Gefängnis in New York. Gemeinsam mit Häftlingen in beigefarbenen Anzügen verfolgte er das Spiel Argentinien gegen England an runden Tischen. Ein Foto dieses Besuchs posteten seine Mitarbeiter auf Instagram – Teil einer Social-Media-Offensive, die seit Wochen ganz im Zeichen des Fußballs steht. Mamdani zeigt sich beim Kicken im Anzug oder im Trikot, mit Fans im Bus zum Stadion und in Interviews über die absurd hohen Ticketpreise.
Das Finale: Drei Männer, drei Agenden
Am Sonntag wird Mamdani im Stadion in New Jersey sitzen, wenn das Finale zwischen Spanien und Argentinien stattfindet – gemeinsam mit Fifa-Chef Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump. Trump, der das Turnier für seinen Wahlkampf nutzen wollte, besucht erstmals ein Stadion. Infantino, der mit Rekordeinnahmen rechnet, ließ nach einem Anruf von Trump die Rote Karte des US-Spielers Folarin Balogun zurücknehmen. Mamdani hingegen vertritt ein Gegenmodell: Bezahlbarkeit und Inklusion.
Bezahlbarkeit als Programm
Bereits im September 2025 forderte Mamdani mit der Petition „Game Over Greed“ das Ende der dynamischen Preisgestaltung, einen Deckel für Weiterverkäufe und ein Kontingent günstiger Tickets für Einheimische. Obwohl diese Forderungen zunächst keinen Erfolg hatten, trieb er sein WM-Programm voran. Mit Gouverneurin Kathy Hochul organisierte er mehr als 100 kostenlose Watchpartys in allen fünf Bezirken New Yorks. In Queens, dem internationalsten Bezirk, versammelten sich Fans im Tennispark, wo sonst die US Open stattfinden. Auf einem riesigen Bildschirm wurden Spiele übertragen, und Sofas auf dem Tennisfeld boten zusätzliche Sitzplätze.
„Zohran bemüht sich wirklich, dass alle Menschen Spaß bei der WM haben“, sagte Maria, eine Fußballfan aus Queens, die zum Eröffnungsspiel von Mexiko gegen Südafrika kam. Tickets fürs Stadion könne sie sich niemals leisten, aber die Watchparty biete eine vergleichbare Atmosphäre. Ursprünglich sollte das Fan-Fest Eintritt kosten, doch Mamdani änderte das. Maria bedauerte nur: „Leider habe ich bei der Lotterie nicht gewonnen.“
Die 50-Dollar-Ticket-Lotterie
Die Lotterie war Mamdanis vielleicht populärstes Projekt. Im Mai verkündete er die Verlosung von 1000 WM-Karten für nur 50 Dollar unter New Yorker Bürgern. Kritik kam aus New Jersey, wo Politiker die Aktion als PR-Gag bezeichneten: 1000 Karten machten gerade 0,17 Prozent des Ticketangebots aus. Doch New Yorks Bevölkerung reagierte begeistert: Am ersten Tag war das Anmeldelimit von 50.000 Teilnehmern in nur drei Minuten erreicht.
Eigene Trikots und Fußball-Events
Mamdani füllte die WM-Stimmung in seiner Stadt mit eigenen Aktionen. Nachts ließ er Sportplätze öffnen und Straßen für Fußballspiele sperren. Statt der offiziellen Fifa-Plakate bekam New York ein eigenes Fußball-Logo im Retro-Look, das Busse, Fähren und Haltestellen zierte. Die Stadt verkaufte 1500 eigene Trikots für nur 50 Dollar – ein Bruchteil der offiziellen Fifa-Trikots. Hergestellt wurden sie von einer Familienfirma in Bedford-Stuyvesant. Binnen einer Stunde waren alle Trikots ausverkauft; manche Käufer standen ab ein Uhr nachts an. Allerdings tauchten einige der Trikots wenige Tage später auf Ebay für bis zu 1.200 Dollar auf – Mamdani selbst wurde Opfer des überteuerten Weiterverkaufs, den er kritisiert. Er warnte vor den Wucherpreisen und kündigte eine zweite Auflage an.
Diplomatie mit den Mächtigen
Mamdani zeigt sich pragmatisch im Umgang mit Mächtigen. Als er im März Infantino im Rathaus empfing, wich der scharfe Ton aus dem Wahlkampf der Diplomatie. Heraus kam der Deal, der die Ticket-Lotterie möglich machte. Ähnlich verhielt er sich gegenüber Donald Trump: Distanz halten, aber die Hand reichen, wenn New York profitieren kann. Trump, der Mamdani im Wahlkampf noch einen „kommunistischen Irren“ genannt hatte, findet inzwischen freundliche Worte: Ein netter Kerl sei das, er möge ihn.
Bilanz vor dem Finale
Schon vor dem Finale zieht Mamdanis Regierungsteam Bilanz. „Wir haben von Anfang an gesagt, dass die Weltmeisterschaft den New Yorkerinnen und New Yorkern gehört. In diesem Sommer haben wir es bewiesen“, sagte Mamdani in einer Pressemitteilung. Die Menschen hätten die WM feiern können, ohne ein teures Ticket zu benötigen. Die WM sei „ein Vermächtnis, das über den Schlusspfiff hinaus Bestand hat“. Allerdings fehlt in der Mitteilung eine zentrale Angabe: der Preis für Mamdanis bezahlbare WM. Die zusätzlichen Polizeieinsätze, mehr als 100 Fan-Feste, gesperrte Straßen und das eigene WM-Design dürften die Stadt einiges gekostet haben. Ein Kassensturz soll in einigen Monaten zeigen, wie viel genau.
Der städtische Rechnungsprüfer Mark Levine hatte bereits im Frühjahr prognostiziert, dass New York selbst im besten Fall draufzahlt: höchstens 55 Millionen Dollar zusätzliche Steuereinnahmen bei rund 70 Millionen Dollar Mehrkosten für Polizei, Katastrophenschutz und Wirtschaftsförderung. Der beste Fall trat nicht ein – die Hotels nahmen nur etwa die Hälfte dessen ein, was sie sich erhofft hatten.
Finale im Central Park
Am Sonntag beim Finale soll es weder um Geld noch um Politik gehen. Mamdani sagte, sein Fokus werde auf dem Spiel liegen. Im Central Park steigt die nach Veranstalterangaben weltweit größte Watchparty zu diesem Endspiel: 50.000 Menschen auf der Great Lawn, drei Riesenleinwände. Die Stadt steuerte 3,5 Millionen Dollar zu den Kosten bei. Der Eintritt für New Yorker: kostenlos, natürlich.



