Der "Mile Cry Club" ist ein Phänomen, das viele Flugreisende kennen: In 10.000 Metern Höhe fließen plötzlich Tränen bei Filmen, die am Boden kaum eine Reaktion hervorrufen. Dieser "Wein-Club in luftiger Höhe" wird in sozialen Medien immer wieder thematisiert und sogar wissenschaftlich untersucht.
Studie der Universität Washington: Kabinendruck und Lärm als Auslöser
Eine Studie der Universität Washington ergab, dass der Filminhalt nicht die Hauptursache ist. Vielmehr spielen mehrere Faktoren eine Rolle: Der niedrige Kabinendruck führt zu einer geringeren Sauerstoffversorgung des Bluts, was Verwirrtheit, Müdigkeit und eine verminderte Emotionskontrolle verursacht. Zudem belastet der permanente Lärm die Nerven und macht empfänglicher für Rührung.
Psychologische und physische Faktoren
Die US-Psychologin Jodi De Luca erklärte gegenüber den "Anchorage Daily News", dass betroffene Passagiere möglicherweise Angst vor einem schlimmen Ereignis während des Flugs haben. Das Gehirn produziert dann Stresshormone, die Herzfrequenz und Anspannung erhöhen – was das Weinen begünstigt. "Es ist nicht nur ein psychologisches Ereignis, sondern auch ein körperliches", betont De Luca. Enge, Müdigkeit, Aufregung, große Höhe, unbequeme Sitze und schlechtes Essen kommen zusammen. Hinzu kommt das Gefühl, die Kontrolle abgeben zu müssen. Diese Faktoren machen emotional verletzlich. De Luca findet es eher verwunderlich, dass nicht alle im Flugzeug weinen.
Befragung von 1000 Fluggästen
Für die Plattform "PeerJ" befragten Forscher in den USA 1000 Fluggäste zu diesem Phänomen. Das pragmatische Ergebnis: "Menschen, die dieses angebliche Phänomen erleben, sind wahrscheinlich einfach einer stark erhöhten emotionalen Reizmenge ausgesetzt." Das bedeutet: Wer auf einem Langstreckenflug mehr traurige Filme als sonst in mehreren Tagen schaut, weint auch entsprechend mehr. De Luca sieht den Grund woanders: "Es liegt daran, dass unsere Fähigkeit zur Regulierung unserer Emotionen in einer ohnehin bereits belastenden Umgebung eingeschränkt ist." Sie empfiehlt Reisenden, sich im Voraus Bewältigungsstrategien zu überlegen und beruhigende Gegenstände wie ein Rätselheft, Videospiele oder eine kuschelige Decke mitzunehmen. Wer dennoch beim Filmschauen im Flieger weinen muss, ist damit nicht allein.



