Die brasilianische Polizei hat im Fall der tödlich verunglückten Studentin Maria (21) drei weitere vorläufige Haftbefehle vollstreckt. Die Festnahmen erfolgten am Samstag, den 20. Juni, gegen eine 29-jährige Frau aus Rio de Janeiro, einen 25-jährigen Mann aus Limeira und einen 27-jährigen Mann aus Indaiatuba, wie der TV-Sender „Globo“ berichtet.
Verdacht auf Beweisunterdrückung
„Im Zuge der Ermittlungen wurden Hinweise gesammelt, die auf eine mögliche Unterdrückung von Beweismitteln hinweisen, die für die Ermittlungen relevant sind. Insbesondere im Zusammenhang mit dem Verschwinden der Kamera, die das Opfer während des Sprungs benutzte“, erklärte der zuständige Delegierte in einer Mitteilung des Sekretariats für öffentliche Sicherheit des Bundesstaates São Paulo. Es besteht der Verdacht, dass Aufnahmen auf der GoPro-Kamera, die Marias Sturz in die Tiefe aufzeichnete, gelöscht wurden. Die Kamera selbst ist weiterhin verschwunden; die Ermittler hoffen, sie nun zu finden.
Hintergrund der Tragödie
Die 21-jährige Maria stürzte bei einem Rope-Jump von einer Brücke nahe São Paulo rund 40 Meter in die Tiefe, weil sie nicht am lebensrettenden Seil befestigt war. Die Verantwortlichen hatten offenbar schlichtweg vergessen, sie zu sichern. Bereits am Todestag der Studentin gab es drei Festnahmen. Die neuen Festnahmen stehen im Zusammenhang mit dem Verschwinden der Kamera und möglicher Beweisvernichtung.
Experte kritisiert Fahrlässigkeit
Ein erfahrener Bungee-Jumper, Chris Batte, der nach eigenen Angaben seit mehr als 30 Jahren im Bungee-Sport tätig ist, erhebt schwere Vorwürfe. Gegenüber der „New York Post“ spricht er im Fall Maria von „purer Fahrlässigkeit“. Er sieht zahlreiche Warnsignale, die schon vor dem tödlichen Unfall erkennbar gewesen seien. „Die offensichtlichen Anzeichen wären meiner Meinung nach: Wird es wie ein Unternehmen geführt? Ist es professionell organisiert? Gibt es eine klare Führungsperson, die die Mitarbeiter anleitet? Wenn es keine Person gibt, die die Führung übernimmt, und eine weitere, die als Backup fungiert, ist das ein deutliches Warnsignal“, so Batte.
Ein entscheidendes Warnsignal in dem Video war für Batte das offensichtliche Fehlen von Sicherungen, die auch dann hätten vorhanden sein müssen, wenn das Bungee-Seil nicht befestigt gewesen wäre. Dazu gehören ein Verbindungssystem, Fußmanschetten oder Sprunggurt, ein zusätzlicher Körper- und Auffanggurt sowie geprüfte Karabiner und Anschlagpunkte. Die Aufnahmen des Unfalls, die um die Welt gingen, bezeichnete Batte als „unglaublich“. Er erklärte: „Genau das ist es, was uns alle so sehr bedrückt: dass es so viele Gelegenheiten gab, dieses Mädchen zu retten.“
Aussagen der Beschuldigten
Während eines Verhörs zum Todessturz äußerten sich die ersten drei Verdächtigen uneinheitlich. „Einer bringt normalerweise das Seil an, der andere kontrolliert. Manchmal macht es der eine, manchmal der andere“, sagte einer von ihnen. Wer an dem Tag wofür zuständig war, wisse angeblich niemand. „In 99 Prozent der Fälle unterstütze ich lediglich den Ablauf“, behauptete ein anderer. „Ich bin zuerst nach vorn gegangen. Danach kann ich mich an nichts mehr erinnern“, so ein dritter.



