Narzissmus-Selbsttest: Fünf Fragen für die Selbsteinschätzung
Narzissmus-Selbsttest: Fünf Fragen zur Selbsteinschätzung

Berlin. Narzissmus wird oft kritisch gesehen – doch wie erkennt man eigene narzisstische Tendenzen? Ein Psychiater verrät, worauf es ankommt.

Bin ich narzisstisch? Eine ehrliche Selbsteinschätzung fällt oft schwer

Viele Menschen tragen narzisstische Züge in sich, doch eine Selbstreflexion bleibt häufig aus. Dieser Selbsttest kann helfen, die eigenen Verhaltensmuster besser zu verstehen.

Wer sich heute fragt, ob er oder sie narzisstisch ist, ist nicht allein. Der Begriff „Narzissmus“ hat den Weg aus Fachliteratur und Diagnoseschlüsseln längst in die Alltagsdebatte gefunden – häufig unscharf verwendet, oft moralisch aufgeladen. Dabei gehören narzisstische Anteile, in gesunder Form, zum Wesen eines jeden Menschen. „Wir alle haben narzisstische Anteile – hoffentlich“, sagt Dr. Pablo Hagemeyer im Gespräch mit dieser Redaktion.

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Der Psychiater, Psychotherapeut und Autor beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema. Sein Ansatz: polarisieren, entmystifizieren, differenzieren, einordnen. Nicht ohne Grund trägt sein erstes Buch den Titel: „Gestatten, ich bin ein Arschloch“ und stellt den Psychiater als „netten Narzissten“ vor.

Wann wird Narzissmus gefährlich?

Doch was ist netter, gesunder Narzissmus? Wann wird es gefährlich? „Selbstfürsorge, Selbstbehauptung, Selbstinszenierung – das sind narzisstische Tendenzen, die uns stärken“, so Hagemeyer. Kritisch werde es, wenn andere ausgebeutet würden, Empathie fehle oder Betroffene übermäßige Bewunderung einfordern. Laut dem Psychiater zeigt sich pathologischer Narzissmus vor allem in mangelnder Selbstkritik, überhöhter Selbstdarstellung und dem systematischen Abwerten anderer.

Bin ich selbst ein Narzisst?

Wer nun wissen möchte, ob er oder sie selbst ein Narzisst ist und vor allem, ob er toxisches Verhalten zeigt und anderen mit seiner Art schadet, sollte sein eigenes Verhalten hinterfragen. Und schon das ist eine Herausforderung für krankhafte Narzissten. „Ihnen ist ihr Fehlverhalten meist gar nicht bewusst“, so Hagemeyer. „Sie nehmen gar nicht wahr, dass sie Schaden anrichten – oder es ist ihnen egal.“ Meist mangele es ihnen an Empathie.

Hagemeyer schlägt fünf einfache, aber aufschlussreiche Fragen zur Selbsteinschätzung vor:

  • Bin ich überempfindlich gegenüber Kritik?
  • Nutze ich andere, um meine Ziele zu erreichen?
  • Interessieren mich nur meine eigenen Bedürfnisse?
  • Habe ich Schwierigkeiten, echte Nähe zuzulassen?
  • Glaube ich, besser als andere zu sein – und muss das auch ständig beweisen?

Wer diese Fragen häufig mit „Ja“ beantwortet, sollte innehalten. Zwar sei das noch keine Diagnose, betont Hagemeyer – aber ein Hinweis, genauer hinzusehen. Diese fünf Fragen seien ein erster Orientierungspunkt. „Wer sich selbst darin wieder erkennt, hat vermutlich starke narzisstische Tendenzen“, so der Psychiater. „Das muss aber noch nicht krankhaft sein.“

Wie erkenne ich krankhaften Narzissmus?

Für alle, die es genauer wissen wollen, gibt es spezielle Tests zur Selbsteinschätzung. Dazu gehören der NPI („Narcissistic Personality Inventory“) für den „grandiosen Narzissmus“ und das PNI („Pathological Narcissism Inventory“) für die pathologische Ausprägung. Beide sind wissenschaftlich fundiert. Meist sind sich krankhafte Narzissten ihres Fehlverhaltens aber gar nicht bewusst und daher auch selten daran interessiert, sich testen oder gar diagnostizieren zu lassen. Das bestätigt auch Hagemeyer.

Kann Narzissmus sich verändern?

Ja – und zwar kontextabhängig. „Menschen verhalten sich in Notsituationen, bei Stress oder beruflichem Druck oft narzisstischer“, so Hagemeyer. Das Umfeld, aktuelle Krisen oder biografische Brüche können Einfluss nehmen. Deshalb lohnt es sich, nicht nur auf Verhaltensweisen zu schauen, sondern auch auf die Umstände, die sie auslösen. Genau hier setze die therapeutische Arbeit an, so der Therapeut.

Außerdem beeinflussen auch toxische Substanzen das narzisstische Verhalten. Hagemeyer betont hier insbesondere den negativen Einfluss von Alkohol. „Im Rausch können die nettesten Menschen plötzlich gefährlich und gewalttätig werden“, so der Experte. „Sie glauben nicht, welch menschliche Abgründe ich in meiner Praxis erlebe.“

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Was kann ich tun, wenn ich narzisstische Züge bei mir erkenne?

Wer in sich selbst einen Narzissten vermutet, kann laut Hagemeyer zunächst gelassen bleiben. Nicht erschrecken – und nicht abwerten. „Narzissmus ist kein Label, kein Schimpfwort“, betont der Psychiater. Er sieht diese Erkenntnis als ersten Schritt auf einer langen Reise – mit dem Ziel, sich selbst besser zu verstehen.

Wer sich reflektiert, sei selten pathologisch narzisstisch. Problematisch seien oft gerade die, die kein Problembewusstsein hätten. Hagemeyers Rat: „Man sollte offen sein für Rückmeldungen, offen sein für wohlwollende Kritik. Man sollte sich professionelle Beratung suchen – und bereit sein, an sich zu arbeiten.“

Denn: Narzisstische Tendenzen machen niemanden automatisch zum toxischen Beziehungspartner oder zur narzisstischen Persönlichkeit. Entscheidend ist, wie bewusst man mit diesen Anteilen umgeht. Oder, wie Hagemeyer es formuliert: „Man kann sich im legeren Outfit mit Schal oder im Maßhemd narzisstisch fühlen – entscheidend ist am Ende, ob man andere dabei klein macht oder ihnen gar schadet.“