Nichterben im Osten: Die Debatte nützt nur den Superreichen
Nichterben im Osten: Debatte nützt nur Superreichen

Die Debatte über geringe Erbschaften in Ostdeutschland verzerrt die Realität und nützt vor allem den Superreichen. Das ist die These eines Kommentars von Ariane Bemmer im Tagesspiegel. Die Autorin argumentiert, dass die Fixierung auf den Ost-West-Unterschied vom eigentlichen Problem ablenkt: der zunehmenden Konzentration von Vermögen bei einer kleinen Elite.

Die halbe Wahrheit der Erbschaftsdebatte

Immer wieder wird beanstandet, dass Ostdeutsche im Durchschnitt weniger erben als Westdeutsche. Diese Beobachtung ist statistisch korrekt, aber sie greift zu kurz. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) liegt das durchschnittliche Erbschaftsvolumen im Osten bei etwa 60.000 Euro, im Westen bei knapp 120.000 Euro. Doch diese Zahlen verbergen, dass auch im Westen viele Menschen nichts oder nur sehr wenig erben. Die eigentliche Kluft verläuft nicht zwischen Ost und West, sondern zwischen den Vermögenden und dem Rest der Gesellschaft.

Die wahren Gewinner der Debatte

Die ständige Betonung des Ost-West-Gefälles bei Erbschaften lenkt von der Tatsache ab, dass die Vermögensungleichheit in ganz Deutschland zunimmt. Die obersten zehn Prozent der Haushalte besitzen mehr als die Hälfte des gesamten Nettovermögens, während die untere Hälfte der Bevölkerung praktisch nichts hat. Diese Schieflage wird durch Erbschaften noch verstärkt, da große Vermögen oft steuerbegünstigt weitergegeben werden. Die Debatte ums Nichterben im Osten nützt letztlich nur den Superreichen, die von einer Politik profitieren, die große Erbschaften schont.

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Bemmer fordert eine ehrlichere Diskussion über Vermögensungleichheit und Erbschaftsteuer. Statt sich auf regionale Unterschiede zu konzentrieren, sollte die Politik die strukturellen Ungerechtigkeiten angehen, die die Reichen immer reicher machen. „Die Debatte ums Nichterben im Osten nützt nur den Superreichen“, schreibt sie. Ihrer Ansicht nach führt die Fokussierung auf Ost-West-Unterschiede dazu, dass die eigentliche Herausforderung – die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich – aus dem Blick gerät.

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