Ein überraschender Fund in der Nazi-Kartei kann die Familienhistorie erschüttern. Wie spricht man darüber mit Angehörigen? Der Psychiater Gereon Heuft gibt im Interview mit Kerstin Kullmann Ratschläge, wie man dieses schwierige Thema angehen kann. Er erklärt auch, weshalb es manchen Kriegskindern bis heute unmöglich ist, über diese Vergangenheit zu reden.
Die Herausforderung des Gesprächs
Wer in den Unterlagen auf belastende Informationen stößt, steht vor der Frage, ob und wie man das Gespräch mit der Familie suchen sollte. Heuft betont, dass es wichtig sei, sich selbst zunächst zu sortieren, bevor man andere konfrontiert. Die emotionale Belastung könne groß sein, daher sei eine behutsame Herangehensweise entscheidend.
Kriegskinder und ihre Sprachlosigkeit
Besonders schwierig sei die Situation für Menschen, die als Kinder den Krieg erlebt haben. Viele von ihnen hätten gelernt, über traumatische Erlebnisse zu schweigen. Dieses Schweigen sei ein Schutzmechanismus, der tief sitze. Heuft erklärt, dass es für diese Generation oft unmöglich sei, über die NS-Vergangenheit zu sprechen, weil dies bedeuten würde, die eigenen Verletzungen wieder aufzureißen.
Tipps für das Gespräch
Der Psychiater empfiehlt, das Gespräch in einer ruhigen Atmosphäre zu führen und nicht zu drängen. Man solle Verständnis zeigen, wenn die andere Person nicht reden möchte. Es könne helfen, eigene Gefühle zu benennen, ohne Vorwürfe zu erheben. Auch professionelle Unterstützung durch Therapeuten könne sinnvoll sein, um das Thema aufzuarbeiten.
Fazit
Die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in der Familie ist ein sensibles Unterfangen. Mit Einfühlungsvermögen und Geduld kann es jedoch gelingen, einen Dialog zu eröffnen. Für diejenigen, die nicht sprechen können oder wollen, ist es wichtig, dies zu respektieren und alternative Wege der Verarbeitung zu finden.



