Mehr als 55.000 Menschen in Berlin haben keine eigene Wohnung, rund 6000 von ihnen schlafen auf der Straße oder in Behelfsunterkünften. Wenn die Temperaturen auf über 30 Grad steigen, wird das für sie lebensbedrohlich. Denn sie haben keinen Kühlschrank, keine Klimaanlage und keinen kühlen Rückzugsort. Wie überleben sie die Hitzewellen? Betroffene erzählen.
Ohne Schatten und Wasser wird es gefährlich
„Man muss sich ständig nach Schatten umsehen und genug Wasser finden“, berichtet ein obdachloser Mann, der seit Jahren in Berlin lebt. „Viele Brunnen in der Stadt sind abgestellt, und nicht jeder hat Geld für Flaschenwasser.“ Die Hitze mache ihn müde und antriebslos. „Ich versuche, mich tagsüber in Parks oder unter Brücken aufzuhalten, aber auch dort wird es oft unerträglich.“
Hilfsangebote werden kaum angenommen
Die Berliner Stadtmission bietet in Hitzeperioden kühle Räume und kostenloses Wasser an. Doch viele Obdachlose scheuen den Weg in die Einrichtungen. „Manche haben Angst vor Diebstahl, andere wollen ihre Sachen nicht unbeaufsichtigt lassen“, erklärt ein Sozialarbeiter. „Dabei wäre es so wichtig, sich regelmäßig abzukühlen.“
Gesundheitliche Risiken steigen
Bei extremer Hitze drohen Kreislaufprobleme, Sonnenstich und Hitzschlag. „Wir haben in diesem Sommer schon mehrere Notfälle bei Obdachlosen gehabt“, sagt ein Arzt der Berliner Klinik für Innere Medizin. „Die Kombination aus Dehydrierung und Überhitzung kann tödlich enden.“ Besonders gefährdet sind ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen.
Politik und Gesellschaft in der Pflicht
Die Berliner Senatsverwaltung für Soziales hat zwar Maßnahmen wie Trinkwasserbrunnen und Kältebusse auch im Sommer angekündigt, doch die Umsetzung stockt. „Es fehlt an Personal und Geld“, kritisiert eine Sprecherin der Obdachlosenhilfe. „Dabei wäre ein flächendeckendes Netz an Kühlräumen überlebenswichtig.“
Bis dahin bleiben die Betroffenen auf sich allein gestellt. „Ich habe gelernt, mit der Hitze zu leben“, sagt der obdachlose Mann. „Aber jeden Sommer hoffe ich, dass es nicht der letzte ist.“



