„Für immer Pop Inn“: Eine Zeitreise in die Jugendclub-Ära
Erste Liebe, erster Kuss, erste Diskonacht – all das wird in der Tanzperformance „Für immer Pop Inn“ wieder lebendig. Das Stück, das am Freitagabend Premiere feierte, entführt die Besucher in die Glanzzeit des legendären Jugendclubs in Berlin-Steglitz. Seit 2013 steht das Originalgebäude in der Ahornstraße 15a leer, doch nun wird die Geschichte an einem anderen Ort wieder auf die Bühne gebracht. Die Tanzschule Tanz-Tangente in der Ahornstraße 24 hat den Eingang des alten Clubs detailgetreu nachgebaut, inklusive der Bullaugentür. Hier können die Gäste für eine Stunde in die Vergangenheit eintauchen.
Eine Performance voller Erinnerungen
Das Projekt ist eine Kooperation des freien Kunstkollektivs Syndikat Gefährliche Liebschaften, des Kulturamts Steglitz-Zehlendorf und der Tanz-Tangente. Die Idee entstand vor zwei Jahren, als Programmkoordinator Maximilian Hagemeyer und Künstler Micha Kranixfeld auf der Suche nach kulturellen Potenzialen im Bezirk waren. „Das Pop Inn war in aller Munde“, erzählt Kranixfeld. „Viele, die hier aufgewachsen sind, haben etwas dazu zu sagen.“ Die Resonanz war überwältigend: Rund 60 Mails mit Geschichten und Erinnerungen gingen ein, sogar ehemalige Mitarbeiter meldeten sich. Einige von ihnen stehen nun gemeinsam mit Mitgliedern des Syndikats und der Jugendcompany der Tanz-Tangente auf der Bühne.
Die Performance verbindet Tanz, Musik und Erzählungen. Sie lässt Szenen aus dem Cluballtag wieder aufleben, wie die legendäre „Hitparade“, bei der Teenager sich ein Lied wünschen und an einer Verlosung teilnehmen konnten. Ein besonderer Gewinn war ein lebendes Spanferkel, das über Nacht im Büro eingesperrt war und ausbüxte. „Am nächsten Tag konnte das Spanferkel, lebend und wohlauf, verlost werden“, erinnert sich Kranixfeld. Die Feuerwehr musste das Tier damals vom Dach holen.
Die bewegte Geschichte des Gebäudes
Das Haus in der Ahornstraße 15a blickt auf eine lange Geschichte zurück. 1890 als Gaststätte erbaut, war es zunächst das „Lokal Schellhase“, ein Treffpunkt für Sozialdemokraten und Kommunisten. Nach Recherchen des Kulturamts nahmen dort 1914 Wilhelm Pieck und Karl Liebknecht an einer geheimen Versammlung teil. In der NS-Zeit traf sich dort die NSDAP-Ortsgruppe. Nach dem Krieg nutzten zunächst sowjetische, dann amerikanische Soldaten das Gebäude, später zog eine Freimaurer-Loge ein, deren Inschrift „Humanitati“ noch am Dachfries zu sehen ist. 1960 begann die Ära des Jugendclubs, zunächst als „Jazz-Saloon“, ab 1966 dann als „Pop Inn“ – der erste öffentliche Jugendclub West-Berlins, der bereits 14-Jährigen Eintritt gewährte.
Wiederbelebung nach Jahren des Leerstands
2013 musste der Club schließen, nachdem Anwohner wegen Lärmbelästigung geklagt und gewonnen hatten. Seither steht das landeseigene Gebäude leer und verfällt. Pläne für eine Nachnutzung, etwa als Kita oder Frauen- und Mädchenzentrum, scheiterten. Doch nun gibt es neue Bewegung: Ende Januar lud Jugendstadträtin Carolina Böhm (SPD) zu einem Rundgang ein. Dabei waren auch junge Menschen, die zuvor den Bierpinsel an der Schloßstraße besetzt hatten, um mehr öffentliche Räume zu fordern. Nun sollen diese Räume in der ehemaligen Jugenddisco entstehen.
Simon, 19 Jahre alt und Mitglied der Jugendcompany, steht in der Performance auf der Bühne. „Orte wie das ‚Pop Inn‘ fehlen uns“, sagt er. „Die Nachfrage ist auf jeden Fall da.“ Er könnte sich vorstellen, dass die Diskothek heute wieder gut funktionieren würde. Die originalen Buchstaben der alten Leuchtreklame lagerten jahrelang im Keller, wurden nun hervorgeholt und gereinigt. In der Performance leuchten sie erstmals wieder.
Aufführungen und Ausstellung
Die Premiere am Freitagabend war bereits ausverkauft, insgesamt gibt es zehn Vorstellungen. Die Termine: Samstag, 27. Juni, um 18, 19.30 und 21 Uhr, sowie Freitag, 3. Juli, und Samstag, 4. Juli, ebenfalls um 18, 19.30 und 21 Uhr. Der Eintritt kostet 8 Euro. Karten sind über pretix.de/kultur-berlin-sz erhältlich, Restkarten möglicherweise an der Abendkasse. Begleitend zur Performance gibt es eine Ausstellung mit Interviews, in denen die alten Geschichten nachgehört werden können. Gefördert wird das Projekt von der Senatsverwaltung für Kultur und aus Mitteln des Bezirkskulturfonds.



