Nach dem verschossenen Elfmeter von Jonathan Tah im WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft hat der DFB-Star eine Welle rassistischer Beleidigungen im Internet erfahren. Der 30-jährige Abwehrspieler von Bayer Leverkusen zeigte sich tief betroffen über die Anfeindungen, die nach der Partie gegen Spanien auf sozialen Medien und in Kommentarspalten verbreitet wurden.
„So viele beschränkte Köpfe“ – Tah reagiert auf Hass
In einer Stellungnahme auf Instagram schrieb Tah: „Es ist traurig zu sehen, wie viele beschränkte Köpfe es immer noch gibt. Ich gebe alles für dieses Team und werde mich nicht von Hass einschüchtern lassen.“ Der Verteidiger hatte in der 85. Minute einen Foulelfmeter vergeben, der das Spiel für Deutschland hätte entscheiden können. Die DFB-Elf verlor das Spiel mit 1:2 und schied daraufhin im Viertelfinale aus.
Bereits kurz nach dem Abpfiff mehrten sich auf Plattformen wie X (ehemals Twitter) und Facebook Kommentare, die nicht nur die sportliche Leistung kritisierten, sondern auch rassistische Untertöne aufwiesen. Betroffen zeigte sich auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf, der die Vorfälle verurteilte: „Wir stehen geschlossen hinter Jonathan und verurteilen jede Form von Diskriminierung. Rassismus hat in unserem Fußball keinen Platz.“
DFB und Teamkollegen solidarisieren sich
Zahlreiche Teamkollegen und Fußballgrößen solidarisierten sich mit Tah. Kapitän Joshua Kimmich schrieb auf Instagram: „Jonny, wir stehen hinter dir. Du bist ein Vorbild auf und neben dem Platz.“ Auch Bundestrainer Julian Nagelsmann äußerte sich: „Es ist beschämend, dass ein Spieler nach einem verschossenen Elfmeter so angefeindet wird. Wir sind ein Team und lassen niemanden im Stich.“
Der DFB kündigte an, rechtliche Schritte gegen die Urheber der beleidigenden Kommentare zu prüfen. „Wir haben eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Rassismus und werden alle uns zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um die Täter zur Rechenschaft zu ziehen“, so ein DFB-Sprecher.
Hass im Netz: Fußball als Spiegel der Gesellschaft
Der Vorfall reiht sich ein in eine Serie rassistischer Anfeindungen gegen Fußballspieler in Deutschland. Erst im vergangenen Jahr gab es ähnliche Vorfälle nach verschossenen Elfmetern von Leroy Sané und Deniz Undav. Experten warnen vor einer zunehmenden Radikalisierung in sozialen Medien. „Der Fußball spiegelt leider die gesellschaftlichen Probleme wider. Wir müssen als Gesellschaft klarer Position beziehen“, sagte der Sportsoziologe Prof. Dr. Karl-Heinz Bette.
Jonathan Tah selbst kündigte an, sich nicht unterkriegen zu lassen: „Ich werde weiterhin meine Leistung für Deutschland bringen und mich nicht von Hass leiten lassen. Die Liebe und Unterstützung, die ich erfahre, ist überwältigend.“



