Am Sonnabend, dem 27. Juni 2026, erreichte Berlin eine Rekordhitze von 38 Grad Celsius. Die Stadt erlebte einen Tag voller dramatischer Ereignisse: Während Hunderte Menschen in den Abwasserkanälen Abkühlung suchten, kämpften Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste gegen die Folgen der extremen Temperaturen. Mindestens zwei Menschen starben bei Badeunfällen, und die Einsatzkräfte waren im Daueralarm.
Abkühlung im Kanal: 850 Besucher beim „Tag des offenen Kanals“
Rund 850 Besucher pilgerten am Samstag zum „Tag des offenen Kanals“ der Berliner Wasserbetriebe in Schöneberg. In der Winterfeldtstraße stiegen sie 15 Stufen hinab in einen trockengelegten Regenwasserüberlaufkanal, wo angenehme 15 Grad herrschten. „Wo ist das Kackewasser?“, fragte ein Kind, denn ein latenter Fäkaliengeruch lag in der Luft. Astrid Hackenesch-Rump, Sprecherin der Berliner Wasserbetriebe (BWB), erklärte: „Ein Kanal riecht immer ein bisschen. Je länger das Wasser unterwegs ist, desto widerlicher riecht es, wenn sich das Regenwasser mit Fetten und Abwasser vermischt.“
Die Führung durch den 4,20 Meter breiten und 2,40 Meter hohen Regenwasserüberlaufkanal aus dem 19. Jahrhundert vermittelte Wissenswertes aus der über 150-jährigen Geschichte der Berliner Stadtentwässerung. An diesem Hitze-Wochenende hatte der Termin jedoch auch einen Fluchtcharakter vor der brütenden Hitze. Die Besucher konnten sich unter einer „Wasser-Verrieselungs“-Dusche erfrischen oder im Wassermobil sauberes Leitungswasser zapfen. Ratten waren nicht zu sehen: „Die benutzen solche Kanäle nur wie eine Autobahn, um voranzukommen, die leben nicht in Kanälen“, so Hackenesch-Rump. „Außerdem sind hier viel zu viele Menschen.“
Hitze-Lockdown: Absagen und leere Straßen
Während unter der Erde Kühle herrschte, versetzte der Hitzetag die Stadt in einen Lockdown. Viele Veranstaltungen wurden abgesagt, auf Straßen und in Bahnen herrschte gähnende Leere. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste waren im Dauer-Alarmzustand. Tragisch: Mindestens zwei Personen starben bei Badeunfällen. Ein Mann wurde leblos im Badesee des Volksparks Jungfernheide gefunden, ein zweiter im Tempelhofer Hafen. Reanimationsversuche schlugen fehl. Bereits in der vergangenen Woche war ein 17-Jähriger bei einem Schulausflug in der Krummen Lanke ertrunken.
Rekord bei Rettungseinsätzen: 1150 Einsätze bis 15 Uhr
Die Feuerwehr sprach von einem Rekord-Einsatztag. Bereits kurz nach 15 Uhr hatten die Einsatzkräfte knapp 1150 Einsätze absolviert. „Ein ähnlich hohes Niveau hatten wir am Freitag erst eine Stunde später erreicht“, so ein Sprecher. Gegen Mittag erlitt ein Fahrgast auf dem U-Bahnhof Innsbrucker Platz einen Kreislaufstillstand, um 14 Uhr mussten zwei Frauen wegen eines Hitzschlags im Sommerbad Neukölln behandelt werden.
Die hohen Temperaturen hielten die Berliner Feuerwehr bereits seit Tagen auf Trab. In der vergangenen Woche mussten im Schnitt 200 bis 300 Einsätze pro Tag mehr als üblich gefahren werden. An einem normalen Tag verzeichnet die Feuerwehr von 0 bis 24 Uhr knapp 1500 Einsätze. Für den Sonntag, an dem über 40 Grad erwartet wurden, rechnete man mit einem weiteren Anstieg. Der Sprecher betonte: „Auch wenn es statistisch noch nicht ausgewertet ist, liegt die Vermutung nahe, dass die Zunahme der Rettungseinsätze auf die Hitze zurückgeht.“ Die häufigsten Gründe für hitzebedingte Einsätze waren Kreislaufprobleme, Dehydrierungen und Sonnenstiche.
Kleine Brände und Badeunfälle
„Außerdem kam es zu einer Zunahme von Badeunfällen und kleinen Bränden, etwa an Böschungen oder in Grünanlagen“, so der Sprecher. Ursachen seien Unachtsamkeiten wie das Wegschnippen von Zigarettenkippen oder das Missachten von Grillverboten. „Wir empfehlen den Menschen dringend, sich im Inneren oder im Schatten und nicht in der prallen Sonne aufzuhalten. Außerdem sollte ausreichend Wasser und kein Alkohol zu sich genommen werden.“ Senioren, Kinder, Schwangere, chronisch Kranke und Obdachlose bräuchten im Zweifelsfall Hilfe und Unterstützung.
Freibäder überfüllt, Polizei im Einsatz
Viele Menschen suchten auch in den Berliner Freibädern Abkühlung, jedoch nicht immer mit Erfolg. Fast alle Freibäder stoppten am Mittag den Verkauf weiterer Tickets, da sie zu voll waren. Nur Menschen mit Zeitfenster-Ticket oder Abo wurden noch eingelassen. An den Sommerbädern Pankow und Mariendorf war die Polizei im Einsatz. Beamte halfen dem Personal und informierten Wartende per Lautsprecher, dass niemand mehr eingelassen werde. Es sei notwendig geworden, einige Personen zu beruhigen und vom Klettern in die Anlagen abzuhalten.
„Wir sind im ganzen Stadtgebiet gut ausgelastet“, sagte ein Polizeisprecher. Die Berliner Polizei setzte am Nachmittag zwei Wasserwerfer ein, um mit Sprühnebel für Erfrischung zu sorgen. Die Aktion begann gegen 15 Uhr am Brandenburger Tor und führte weiter zum Reichstagsgebäude, Potsdamer Platz, Roten Rathaus und Mauerpark.
Kliniken melden hitzebedingte Einlieferungen
Die Vivantes-Kliniken vermeldeten, dass in allen Notaufnahmen weiterhin Patienten aufgrund der Hitze eingeliefert würden – insbesondere ältere Menschen mit starkem Flüssigkeitsmangel. „Auch in unseren beiden Kindernotaufnahmen in Neukölln und Friedrichshain behandeln die Teams vereinzelt hitzebedingt junge Patientinnen und Patienten“, sagte Vivantes-Sprecher Christoph Lang. Warnzeichen bei Kindern seien erhöhte Körpertemperatur, trockene Windeln, Teilnahmslosigkeit oder stehende Hautfalten.
Für Sonntag wurde erneut Hitze um die 40 Grad vorhergesagt, später Starkregen, Hagel und schwere Sturmböen.



