Religiöser Druck an Berliner Schulen: Jeder zehnte Schüler betroffen
Religiöser Druck an Berliner Schulen: Studie belegt

Jeder zehnte Berliner Schüler berichtet, dass Mitschüler ihnen in religiösen Belangen wie Kleidung, Essen oder Beten Vorschriften machen wollen. Dies geht aus dem am Montag vorgestellten „Konflikt- und Gewaltbarometer“ der Senatsverwaltung für Bildung hervor. Fast 30 Prozent der Befragten gaben zudem an, dass von ihnen ein bestimmtes Verhalten als Frau oder Mann erwartet werde.

Hintergrund der Studie

Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) hatte die großangelegte Befragung initiiert, um den Konformitätsdruck an Schulen zu untersuchen. Obwohl Gewalterfahrungen im Zentrum standen, war das Thema religiöses Dominanzstreben von Anfang an gesetzt – nachdem vorherige Versuche, das Problem zu erfassen, gescheitert waren. Die Senatorin präsentierte die Ergebnisse gemeinsam mit Ullrich Bauer von der Universität Bielefeld und Marc Grimm von der Universität Wuppertal, die die Untersuchung leiteten. Steffen de Sombre vom Institut für Demoskopie Allensbach war für die Befragung an den Schulen verantwortlich.

Ergebnisse im Detail

Für 29 Prozent der Neuntklässler haben religiöse Regeln Vorrang vor den Schulregeln. Unter muslimischen Schülern liegt dieser Anteil bei 41 Prozent, bei christlichen bei 33 Prozent und sogar 19 Prozent der konfessionslosen Neuntklässler stimmten zu. Sieben Prozent der Befragten beklagten, ihre Religion nicht zeigen oder ausüben zu dürfen. Nur etwas mehr als ein Drittel der 14.000 Teilnehmenden gab an, keinerlei Druck – auch keinem politischen – ausgesetzt zu sein.

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Bei Gewaltvorfällen gaben sieben Prozent der Neunt- und Zwölftklässler an, dass die Religionszugehörigkeit eine Rolle spielte. Im Einzelnen bejahten dies sieben Prozent der christlichen, 16 Prozent der muslimischen und 34 Prozent der jüdischen Jugendlichen – wobei die Zahl jüdischer Teilnehmer gering war, sodass nur von einer Tendenz gesprochen werden kann.

Vorgeschichte der Studie

Der Teil zur religiösen Konformität hat eine fünfjährige Vorgeschichte. Bereits 2019 wollte Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel (SPD) eine Dokumentations- und Anlaufstelle für solche Fälle schaffen. Eine Vorstudie lieferte zahlreiche Beispiele, in denen muslimische Schüler liberale Muslime oder Andersgläubige zum Fasten, Beten oder Kopftuchtragen anhielten. Kritiker brandmarkten die Befragung jedoch als einseitig und antimuslimisch. Die Bildungsverwaltung entschied daraufhin, die Untersuchung auf eine breitere Basis zu stellen, um wissenschaftlichen Ansprüchen zu genügen. Nach der Neuwahl 2023 verzögerte sich das Vorhaben, bis schließlich die genannten Wissenschaftler beauftragt wurden.

Ziele und Methodik

Mit dem Gewalt- und Konfliktbarometer setzte Günther-Wünsch ein ambitioniertes Vorhaben der zu Ende gehenden Legislatur um, das 2023 in die „Leitlinien der Regierungspolitik“ aufgenommen worden war. Ziel war es, ein „belastbares und differenziertes Lagebild“ zu gewinnen, um darauf aufbauend „wirksame und passgenaue Unterstützungsmaßnahmen für den schulischen Alltag zu entwickeln“. Die Studie erfasste alle Formen von Gewalt, deren Ausmaß und Dynamiken, Gewaltbeziehungen zwischen Schülern, Lehrkräften und Schulpersonal sowie den institutionellen Umgang mit Vorfällen. Die Auswahl der Klassen erfolgte nach dem Zufallsprinzip.

Zusätzlich zur quantitativen Befragung führte das Institut für Demoskopie Allensbach Einzel- oder Doppelinterviews mit rund 40 Kindern und Jugendlichen aus verschiedenen Schularten, Bezirken und Jahrgangsstufen (Klassen 5, 6, 9, 10, 11 und 12) sowie mit Berufsschülern im ersten und zweiten Ausbildungsjahr. Mit 43 Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften wurden elf Gruppendiskussionen geführt. Die Studie war ergebnisoffen angelegt; konkrete Maßnahmen sollen erst auf Basis der Befunde entwickelt werden. Zudem soll geprüft werden, ob bestehende Gewaltpräventions- und Demokratieförderprogramme fortgeführt, angepasst oder ergänzt werden müssen.

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