Das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft liegt bereits drei Tage zurück, doch am Teamquartier in Winston-Salem herrscht immer noch Hochbetrieb – zumindest was die Sicherheitsvorkehrungen betrifft. Als BILD-Reporter Paul Grotenburg vor seiner Abreise noch einmal das „The Graylyn Estate“ aufsuchte, fand er das Gelände weiterhin streng abgeriegelt vor. Gelbes Flatterband umrandet das rund 55 Hektar große Anwesen, direkt hinter der Einfahrt steht ein weißes Polizeiauto, wenige Meter weiter ein Security-Zelt und ein Absperrgitter. Obwohl die Mannschaft nach der blamablen 4:5-Niederlage im Elfmeterschießen gegen Paraguay längst abgereist ist, wird das Hotel noch immer bewacht.
Security-Mann weist BILD-Reporter ab
Als Grotenburg zu Fuß die Hoteleinfahrt entlanggeht, kommt ihm sofort ein amerikanischer Security-Mann entgegen. Obwohl noch rund 20 Meter zwischen ihnen liegen, ruft er ihm laut und mehrfach zu, dass dies Privatgelände sei. Trotz der deutlichen Ansage geht der Reporter weiter auf den Security-Mann zu und fragt ihn, wie lange er hier noch Wache stehen müsse. Eine Antwort bekommt er nicht. Stattdessen wiederholt der Mann nur, dass es sich um Privatgelände handele, und fragt nach einer Akkreditierung für das Gelände.
Grotenburg erklärt, dass er deutscher Journalist sei und lediglich sehen möchte, wie die Lage nach der Abreise der Mannschaft aussieht. Daraufhin wird der Mann noch entschiedener. Er habe ausdrücklich den Auftrag, darauf zu achten, dass deutsche Medien den Bereich auch nach der Abreise der Nationalmannschaft nicht betreten. Der Reporter solle sofort gehen. Warum der Aufwand auch nach dem WM-Aus noch so groß ist, bleibt offen. Auf BILD-Anfrage reagierte das Hotel nicht.
Das verlassene Anwesen: Zwischen Mittelalter und Moderne
Das Gebäude, das hinter den Bäumen auftaucht, erinnert an eine mittelalterliche Burg. Insgesamt verfügt das Anwesen über 85 individuell gestaltete Zimmer. Die Mannschaft sowie Bundestrainer Julian Nagelsmann und seine Co-Trainer Benjamin Hübner und Benjamin Glück wohnten geschlossen im Hotelbereich „The Mews“. Das Nebengebäude diente auf dem fast 100 Jahre alten Anwesen früher als Stallung und Geflügelstall.
Das „Graylyn Estate“ liegt versteckt in einem riesigen Park. Aus der Ferne erkennt der Reporter noch Banner in Deutschland-Farben, die eigens für die Nationalmannschaft aufgehängt wurden. Auch ein riesiger Mast steht noch auf der Wiese, der Eindringlinge melden soll, wenn sie das Gelände unerlaubt betreten. Damit sich das DFB-Team vor Ort wohlfühlt, wurde vorab einiges verändert. Nach BILD-Informationen wurde während des Aufenthalts sogar der Indoor-Pool zum gemeinsamen Speisesaal umgebaut – im Stil eines amerikanischen Diners. Über das Wasser soll ein Boden gelegt worden sein. Jamal Musiala, Florian Wirtz, Joshua Kimmich und ihre Teamkollegen speisten damit praktisch über dem Pool. Außerdem wurde auf dem Gelände ein eigenes Fitnesszelt errichtet.
DFB-Spuren auf dem Campus der Wake Forest Universität
Auch die Wegweiser mit DFB-Logo zwischen Hotel und Wake Forest Universität stehen noch an ihren Plätzen. Sie markieren den Weg, den unter anderem Manuel Neuer, Bundestrainer Julian Nagelsmann und Joshua Kimmich regelmäßig mit dem Fahrrad vom Hotel durch einen kleinen Wald zu den Trainingsplätzen genommen haben. Auf dem Campus der Universität wirkt ebenfalls alles so, als würde das Turnier noch laufen. Zahlreiche Schilder und Banner in Schwarz-Rot-Gold mit deutscher Beschriftung hängen weiterhin an ihrem Platz.
Der Sichtschutz an den Trainingsplätzen trägt noch immer die Deutschland-Farben. Direkt daneben hängt am Medienzentrum weiterhin ein riesiges Plakat. Selbst die Kühlschränke sind noch mit Wasser und Cola gefüllt, als würde jederzeit wieder der Trainingsbetrieb beginnen. Doch daraus wird nichts. Nachdem die Mannschaft am Dienstagvormittag individuell abreiste, verließen auch die verbliebenen DFB-Mitarbeiter am Mittwoch und Donnerstag Winston-Salem in Richtung Deutschland.
Buchungskalender blockiert bis nach dem WM-Finale
Auch beim Blick auf die Internetseite fällt auf: Bis Donnerstag, 23. Juli, ist der Buchungskalender blockiert – also bis vier Tage nach dem WM-Finale. In der Innenstadt begegnete der BILD-Reporter am Mittwoch nur noch vereinzelt Journalistenkollegen, bevor es schließlich auch für ihn und das restliche BILD-Reporter-Team nach Hause geht. Das Geheimnis um das verlassene DFB-Quartier bleibt vorerst ungelöst.



