„Seeterrassen“ Berlin: Vom Kult-Lokal zur Ruine – Das traurige Ende einer DDR-Ikone
„Seeterrassen“ Berlin: Vom Kult-Lokal zur Ruine

Die einstigen „Seeterrassen“ am Fennpfuhl in Berlin-Lichtenberg waren eine der schönsten HO-Gaststätten Ostberlins. Nach der Wende verfiel das DDR-Vorzeigelokal zur Ruine und wurde 2008 abgerissen. Heute erinnert nur noch eine Freitreppe an das einstige Kult-Lokal.

Lage und Erreichbarkeit der ehemaligen „Seeterrassen“

Die HO-Gaststätte „Seeterrassen“ lag an der Promenade am Fennpfuhl, am Anton-Saefkow-Platz, im Ortsteil Fennpfuhl des Bezirks Lichtenberg. Die Google-Koordinaten (Open-Location-Code) für das Objekt lauten: GFHF+JF7 Berlin. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Standort am besten mit den Tramlinien 18, M5, M6, M8 und M10 (Haltestelle Anton-Saefkow-Platz) zu erreichen. Von der Tramhaltestelle ist es ein rund sechsminütiger Fußweg entlang der Karl-Lade-Straße und der Promenade am Fennpfuhl bis zum Standort der ehemaligen Gaststätte. Achtung: Von der HO-Gaststätte „Seeterrassen“ haben sich vor Ort keine Spuren erhalten.

Die Geschichte der „Seeterrassen“: Von der gehobenen DDR-Gastronomie zur Ruine

Die „Seeterrassen“ wurden 1986 als HO-Gaststättenkomplex mit zwei Cafés, Tanzbar, Bierstube und Speiserestaurant mit Panoramablick über das Parkareal am Fennpfuhl eröffnet. Der vom DDR-Stararchitekten Wolf-Rüdiger Eisentraut entworfene mehrgeschossige Neubau hob sich deutlich von den Einheitsbauten der Klubgaststätten in anderen Neubausiedlungen ab. Der Gastronomiekomplex war von vornherein als gehobene DDR-Gaststätte konzipiert, was sich im Interieur und den im Haus erhältlichen Spezialitäten niederschlug. Hier bezahlte man deutlich mehr, erhielt dafür aber auch West-Spirituosen, Importkaffee und aufwendigere Fleischgerichte bei gehobenem Service. Die „Seeterrassen“ erarbeiteten sich rasch einen exzellenten Ruf und waren weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

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Der Aufbau des Gebäudekomplexes

Der Name der Gaststätte ging auf ein früheres Ausflugslokal zurück, das am Fennpfuhl um die Jahrhundertwende scharenweise Publikum angelockt hatte. Bis zu 25.000 Besucher sollen auf den Tribünen rund um den See Platz gefunden haben. Die neuen „Seeterrassen“ unterschieden sich erheblich von der standardisierten Bauweise der meisten DDR-Klubgaststätten. Der mehrgeschossige Gaststättenkomplex mit seinen abgestuften Gebäudeflügeln und Anbauten bot Raum für Dachterrassen und Gebäudetrakte mit Panoramafenstern, die den Blick auf den Fennpfuhl freigaben. Bei dem Gebäude handelte es sich um eine architektonisch markante Sonderplanung der DDR-Moderne – einen terrassierten Funktionsbau in Mischbauweise, der sich über mehrere Ebenen stufenförmig zum Ufer des Fennpfuhls hinabsenkte. Die Fassade wurde von hellen, vertikal strukturierten Verkleidungsplatten dominiert, die durch große Fensterfronten mit Panoramaverglasung durchbrochen waren. Im Inneren fanden die Gäste ein großes Speiserestaurant, eine Bierstube, zwei Cafés und eine separate Tanzbar vor. Die auf einer Grundfläche von gut 3.000 Quadratmetern errichteten „Seeterrassen“ entwickelten sich rasch zu einem echten Aushängeschild der DDR-Gastronomie.

Das Ende der „Seeterrassen“ nach der Wiedervereinigung

Mit der friedlichen Revolution 1989 und der Wiedervereinigung begann der Niedergang der „Seeterrassen“. Die HO-Filialen fielen in den Zuständigkeitsbereich der Treuhandanstalt, die die Grundstücke an Privatunternehmer veräußerte. Im Sommer 1991 wurden die „Seeterrassen“ ein erstes Mal stillgelegt. An den Türen klebten handgeschriebene Zettel: „Ab 1. Juli bis auf weiteres geschlossen“. Der Berliner Treuhandchef Helmuth Coqui (SPD) erklärte, dass die „Seeterrassen“ einem neuen Betreiber zugeschlagen worden seien. „An einen indischen Interessenten. Spätestens in vier Wochen werden die ‚Seeterrassen‘ wieder geöffnet“, ergänzte damals Horst Müll – Bereichsleiter der „Berliner Gaststätten- und Hotel GmbH“. Im Herbst 1991 wurde die Anlage wieder für den Publikumsverkehr geöffnet. Ein italienisches Restaurant öffnete im Erdgeschoss, ein indisches Restaurant im ersten Geschoss und eine Zille-Bierstube an der Nordseite des Gebäudes. Doch nach fünf Jahren war an dem Standort Schluss. Die „Seeterrassen“ schlossen erneut und dieses Mal endgültig. Seit 1996 standen die Räumlichkeiten leer.

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Verfall und Abriss der DDR-Ikone

Jahrelang versuchte die Treuhand, einen Käufer für die sanierungsbedürftigen „Seeterrassen“ zu finden, scheiterte jedoch. „Interessierte Käufer sind immer wieder abgesprungen“, teilte Baustadtrat Andreas Geisel (SPD) mit. „Wir haben in den vergangenen Jahren mit dem Liegenschaftsfonds alles unternommen, um einen Investor zu finden.“ Ein großes Handicap: Es gab kaum Parkplätze. Zudem schreckten Investoren Sanierungskosten in Millionenhöhe und Erschwernisse bei der Grundstückserweiterung zurück. Im Sommer 2008 näherte sich schweres Gerät den „Seeterrassen“. Innerhalb weniger Monate wurde das Gebäude abgerissen, die Trümmer beseitigt, die Fläche renaturiert und in die Grünanlage des Fennpfuhlparks integriert. Für den Abriss standen Mittel aus dem Förderprogramm „Stadtumbau Ost“ in Höhe von 389.000 Euro zur Verfügung. Übrig geblieben ist von den Außenanlagen der ehemaligen DDR-Gaststätte die Freitreppe zum See, die in die Gestaltung des Parks eingebunden wurde. Heute ist die Freitreppe das einzige Zeugnis, das vor Ort noch an die frühere Nutzung des Geländes und die ehemalige Gaststätte „Seeterrassen“ erinnert.