Zwei Drittel der Deutschen empfinden den gesellschaftlichen Zusammenhalt als schlecht. Das zeigt eine aktuelle Forsa-Umfrage. Der Soziologe Gert Pickel, Co-Leiter des „Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ in Leipzig, ordnet die Ergebnisse ein.
Überraschende Ergebnisse?
Auf die Frage, ob ihn das Ergebnis überrascht habe, antwortet Pickel: „Nein, dazu gibt es zu viele ähnliche Umfrageergebnisse.“ Interessant sei vielmehr, was die Menschen unter „Zusammenhalt“ verstehen. „Die einen sagen, das soziale Miteinander funktioniere nicht mehr, weil es so viele Rechtsextreme gebe. Die anderen sagen dasselbe, aber weil es angeblich zu viele Ausländer gebe. Hinter demselben Befund stecken also völlig gegensätzliche Begründungen“, erklärt der Soziologe.
Widersprüchliche Wahrnehmungen
Pickel betont, dass es vielen Menschen persönlich gut gehe, sie das Land aber trotzdem im Niedergang sähen. Diese Diskrepanz sei typisch für gespaltene Gesellschaften. „Man kann nicht anordnen, dass alle lieb zueinander sind“, so Pickel. Vielmehr müsse man die Ursachen der Spaltung angehen, etwa durch mehr soziale Gerechtigkeit und Dialog zwischen den Gruppen.
Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt
Das Forschungsinstitut in Leipzig untersucht seit Jahren die Bindekräfte der Gesellschaft. Die aktuelle Umfrage zeigt, dass das Vertrauen in Institutionen und Mitmenschen abnimmt. Pickel fordert daher eine stärkere Förderung von Begegnungsräumen und bürgerschaftlichem Engagement.



