Stille Notrufe: Gesten und Codewörter gegen Belästigung und Gewalt
Stille Notrufe: Gesten und Codewörter gegen Gewalt

Stille Notrufe: Diese Gesten und Codewörter können Leben retten

Der umschlossene Daumen ist nur eines von mehreren stillen Hilfesignalen, die Betroffene von sexueller Belästigung oder Gewalt in der Öffentlichkeit unauffällig absetzen können. Die Zeichen sollen helfen, Hilfe zu holen, ohne den Täter zu alarmieren. Immer mehr Organisationen und Polizeidienststellen informieren über diese Codewörter und Handzeichen.

Das „Signal for Help“ – eine Handgeste als stiller Notruf

Das bekannteste stille Notrufzeichen ist das „Signal for Help“, das während der Corona-Pandemie von der Canadian Women's Foundation entwickelt wurde. Dabei wird die Handfläche nach vorne gezeigt, der Daumen in die Handfläche gelegt und dann die Finger über den Daumen geschlossen. Diese Geste kann in Videotelefonaten oder in der Öffentlichkeit gezeigt werden, um auf eine Gefahr aufmerksam zu machen. Laut der Organisation hat sich das Zeichen weltweit verbreitet und wird von vielen Polizeibehörden erkannt.

Codewörter in Bars und öffentlichen Einrichtungen

Neben Handgesten gibt es auch Codewörter, die in Bars, Clubs oder anderen öffentlichen Orten eingesetzt werden. Ein bekanntes Beispiel ist „Angela“ oder „Ist der Manager da?“ – in vielen Lokalen wird dann eingegriffen, indem das Personal den Gast beispielsweise bittet, mit nach draußen zu kommen. Die Initiative „Ask for Angela“ aus Großbritannien hat sich in vielen Ländern etabliert. Betroffene können an der Bar nach Angela fragen, woraufhin das Personal diskret Hilfe organisiert.

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Die Geste des umschlossenen Daumens

Der umschlossene Daumen ist eine weitere stille Notrufgeste. Dabei wird eine Faust gemacht, der Daumen jedoch nicht außen, sondern innen von den Fingern umschlossen. Diese Geste kann unauffällig auf Kniehöhe oder in der Tasche gezeigt werden. Sie wird von Hilfsorganisationen wie dem Weißen Ring empfohlen. „Es ist wichtig, dass Betroffene solche Zeichen kennen und dass die Öffentlichkeit sie erkennt, um helfen zu können“, sagt eine Sprecherin des Weißen Rings.

Internationale Verbreitung und Anerkennung

Die stillen Notrufe werden zunehmend international anerkannt. In Deutschland hat die Polizei in mehreren Bundesländern Schulungen zu den Zeichen durchgeführt. Auch in Österreich und der Schweiz gibt es Kampagnen, um die Bevölkerung zu sensibilisieren. Die Zeichen sind besonders wichtig für Menschen, die sich in einer akuten Gefahrensituation befinden und nicht sprechen können oder wollen. Sie können in öffentlichen Verkehrsmitteln, auf der Straße oder in Geschäften eingesetzt werden.

Wie Helfer reagieren sollten

Wer ein stilles Notrufzeichen erkennt, sollte nicht direkt einschreiten, sondern diskret Hilfe holen. Experten raten, den Betroffenen nicht anzusprechen, sondern stattdessen das Personal oder die Polizei zu informieren. „Das Wichtigste ist, den Täter nicht zu alarmieren und die Situation nicht zu eskalieren“, betont eine Polizeisprecherin. In vielen Städten gibt es mittlerweile Schulungen für Ladenpersonal und Sicherheitskräfte, um die Zeichen zu erkennen und angemessen zu reagieren.

Kritik und Grenzen der stillen Notrufe

Trotz der Verbreitung gibt es auch Kritik: Nicht alle Menschen kennen die Zeichen, und sie können von Tätern ebenfalls gelernt werden. Zudem sind sie in manchen Kulturen unbekannt. Dennoch überwiegen die Vorteile, da sie Betroffenen eine Möglichkeit geben, Hilfe zu holen, ohne sich selbst in noch größere Gefahr zu bringen. Die Initiativen arbeiten daran, die Zeichen noch bekannter zu machen und in möglichst vielen Kontexten zu etablieren.

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