Täglicher Eltern-Kontakt: Psychologin warnt vor toxischer Dynamik
Täglicher Eltern-Kontakt: Psychologin warnt vor toxischer Dynamik

Etwa ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland pflegt täglichen Kontakt zu den Eltern, vor allem zur Mutter. Doch Psychologin und Bestsellerautorin Stefanie Stahl warnt: Hinter der vermeintlichen Nähe kann eine toxische Dynamik stecken. „Du kannst eine wunderbare, gesunde Beziehung zu deiner Mutter haben und nur einmal im Monat telefonieren. Und du kannst eine hochproblematische Beziehung haben und jeden Tag mehrmals Kontakt“, betont Stahl im Interview mit unserer Redaktion.

Wann wird regelmäßiger Kontakt problematisch?

Stahl erklärt, dass die reine Häufigkeit des Kontakts kein Indikator für die Qualität der Beziehung sei. Entscheidend seien vielmehr die Motive dahinter. Wenn der Kontakt aus Pflichtgefühl, Schuldgefühlen oder Angst vor Ablehnung erfolge, könne dies auf eine toxische Dynamik hindeuten. Typische Anzeichen seien Sätze wie „Endlich gehst du ran“ oder „Da bist du ja, ich habe mir Sorgen gemacht“, die unterschwellig Druck ausüben.

„Viele Menschen erkennen nicht, dass sie nicht aus freiem Willen handeln, sondern aus einer inneren Verpflichtung heraus“, so die Expertin. Dies könne zu chronischem Stress und einem Gefühl der Überforderung führen. Besonders problematisch sei es, wenn der Kontakt die Autonomie des Erwachsenen einschränke.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Auswirkungen auf das gesamte Leben

Die ständige Erreichbarkeit für die Eltern könne langfristig negative Folgen haben: von Beziehungsproblemen über berufliche Nachteile bis hin zu psychischen Belastungen. „Wenn ein erwachsener Mensch ständig für die Mutter da sein muss, leidet darunter die eigene Partnerschaft oder die Fähigkeit, klare Grenzen zu setzen“, warnt Stahl.

Sie rät, die eigenen Beweggründe ehrlich zu hinterfragen: „Fragen Sie sich: Rufe ich an, weil ich es wirklich möchte, oder weil ich ein schlechtes Gewissen habe?“ Wer merke, dass der Kontakt eher belastend sei, solle schrittweise Grenzen aufbauen – etwa durch feste Telefonzeiten oder reduzierte Nachrichtenfrequenz.

Was tun bei toxischer Dynamik?

Stahl empfiehlt, offene Gespräche zu führen, in denen die eigenen Bedürfnisse klar kommuniziert werden. „Sagen Sie: ‚Ich liebe dich, aber ich brauche mehr Freiraum für mich.‘“ Bei starken Widerständen der Eltern könne auch eine professionelle Begleitung helfen. Wichtig sei, die Verantwortung für das eigene Wohlbefinden zu übernehmen: „Nur wer sich selbst schützt, kann langfristig eine gesunde Beziehung führen.“

Die Psychologin betont, dass es nicht um radikalen Kontaktabbruch gehe, sondern um eine bewusste Gestaltung der Beziehung. „Qualität vor Quantität – das gilt auch für die Eltern-Kind-Bindung.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration