Tierheime in Bremen und Niedersachsen: Ferienzeit führt zu Kapazitätsgrenzen
Tierheime in Bremen und Niedersachsen am Limit

Notlage in den Tierheimen: Ferienzeit verschärft die Überfüllung

Tierheime und Wildtierstationen in Bremen und Niedersachsen stoßen in den Ferien an ihre Kapazitätsgrenzen. Der niedersächsische Landesverband des Naturschutzbunds (Nabu) berichtet von einem erhöhten Druck, insbesondere wenn Tiere kurzfristig vor der Urlaubszeit abgegeben oder ausgesetzt werden. Tierschützer erhalten derzeit viele exotische Tiere wie Wasser- und Landschildkröten, die auf Reisen schwer zu transportieren sind. Manche Tiere werden gezielt ausgesetzt und in Kartons oder Körbchen auf Parkplätzen gefunden, andere entkommen aus unzureichend gesicherten Gehegen, da Reptilien bei hohen Temperaturen aktiver werden.

Bremen: Aufnahmestopp und chronische Überlastung

Besonders angespannt ist die Lage im Bremer Tierheim. Es verhängte vor den Ferien einen Aufnahmestopp und kann seit längerem keine Abgabe- und Wildtiere mehr aufnehmen. Die Vorsitzende des Bremer Tierschutzvereins, Brigitte Wohner-Mäurer, erklärte: „Die Mitarbeitenden und Tierärztinnen arbeiten seit Monaten am Limit.“ Derzeit leben dort rund 550 Tiere, darunter 57 Hunde, 320 Katzen sowie zahlreiche Kleintiere und Exoten. Trotz des Aufnahmestopps muss die Einrichtung im Notfall weiter Tiere aufnehmen, etwa nach Zwangsräumungen, Aussetzungen oder Sicherstellungen durch das Veterinäramt. Seit Ferienbeginn werden besonders viele Katzen ausgesetzt, und die Fälle von Animal Hoarding (krankhaftes Horten von Tieren) häufen sich. Obwohl das Tierheim viele Tiere vermittelt, wächst die Zahl der Bewohner stetig. „Dieses Ungleichgewicht ist inzwischen nicht mehr aufzufangen“, so Wohner-Mäurer.

Wildtiere: Eine zusätzliche Belastung

Kritisch ist die Situation bei Wildtieren. Das Bremer Tierheim ist eigentlich nicht für deren Versorgung zuständig, übernimmt diese Aufgabe aber seit Jahren, da es in Bremen keine spezialisierte Wildtierstation gibt. Unterstützt wird es von niedersächsischen Vereinen wie der Arche Oyten und der Wildtierpflegestelle Verden sowie von privaten Helfern. Doch auch diese Netzwerke stoßen an ihre Grenzen. Allein seit Jahresbeginn nahm das Heim mehr als 900 Wildtiere auf, darunter viele Stadttauben. Ein Großteil ist verletzt, geschwächt oder krank und benötigt sofortige tierärztliche Versorgung und intensive Nachsorge. „Die Verantwortung für die Versorgung von Wildtieren braucht endlich eine nachhaltige Lösung“, fordert Wohner-Mäurer.

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Niedersachsen: Finanzieller Abwärtstrend und strukturelle Probleme

Auch in Niedersachsen ist die Situation schwierig – und das nicht erst seit den Sommerferien. Dem Landestierschutzverband Niedersachsen gehören 84 Mitgliedsvereine an, von denen 61 ein Tierheim oder eine ähnliche Einrichtung betreiben. Ihre Lage ist seit Jahren von einem finanziellen Abwärtstrend geprägt. Kommunen weigerten sich zunehmend, die Kosten für amtlich verwahrte Tiere vollständig zu tragen, kritisiert der Verband. Er hofft auf gesetzliche Regelungen, damit mittelfristig weniger Tiere in die Heime kommen. Helfen könnte etwa eine Kastrationsverordnung für Hauskatzen, deren Entwurf seit einigen Jahren im Innenministerium liegt.

Illegale Zucht und Internethandel als Treiber

Zusätzlich belasten Tiere die Heime, die von Züchtern über Internetforen verkauft oder illegal eingeführt wurden. Diese Tiere sind häufig krank und verhaltensauffällig. Ihre neuen Halter sind damit überfordert und geben die Tiere im Tierheim ab oder setzen sie aus. Nach Schätzungen des Verbands werden allein in Niedersachsen rund 3,1 Millionen Haustiere gehalten, darunter etwa 1,3 Millionen Hauskatzen und 800.000 Hunde. Dementsprechend viele Tiere werden in Tierheimen abgegeben – zunehmend auch von Behörden, die Tiere sicherstellen. Der Verband beobachtet, dass inzwischen mehr Kontrollen bei Tierbesitzern durchgeführt werden. Das sei erfreulich für den Tierschutz, aber herausfordernd für die Heime, da viele sichergestellte Tiere verhaltensauffällig sind und einen höheren Betreuungsaufwand erfordern.

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Appell an Tierhalter: Frühzeitig planen

Auch Anfragen von Haltern, die kurzfristig eine Urlaubsbetreuung für ihre Tiere suchen, belasten laut Nabu Tierheime und Auffangstationen. Oft melden sich Tierbesitzer erst kurz vor Reisebeginn – zu einem Zeitpunkt, zu dem viele Einrichtungen bereits voll belegt sind. Der Nabu Niedersachsen appelliert: „Wer ein Tier hält, muss auch Urlaubszeiten frühzeitig mitdenken und sich rechtzeitig um eine geeignete Betreuung oder Unterbringung kümmern – etwa im privaten Umfeld oder in einer seriösen Tierpension.“ Generell sollte sich jeder vor der Anschaffung eines Tieres fragen, ob er wirklich ein Tierleben lang verlässlich Verantwortung übernehmen kann.