In Reinickendorf-Ost droht Mietern zunehmend die Verdrängung. Eine aktuelle Studie belegt die Gefahr, doch das Bezirksamt zögert mit konkreten Maßnahmen. Bezirksstadträtin reagiert mit einer Spitze auf die Kritik.
Studie belegt Verdrängungsdruck
Die Untersuchung des Instituts für Stadtforschung zeigt, dass in Reinickendorf-Ost die Mieten in den letzten drei Jahren um durchschnittlich 18 Prozent gestiegen sind. Besonders betroffen sind Haushalte mit niedrigem Einkommen. „Die Studie macht deutlich, dass ohne Gegensteuerung viele Mieter ihre Wohnungen verlieren werden“, sagt der Autor der Studie, Dr. Stefan Berger.
Bezirksamt zögert mit Maßnahmen
Das Bezirksamt Reinickendorf hat bisher keine konkreten Schritte eingeleitet, um die Verdrängung zu stoppen. Auf Anfrage erklärte die zuständige Bezirksstadträtin, man prüfe die Ergebnisse noch. „Wir nehmen die Studie ernst, aber wir müssen auch die Interessen der Vermieter berücksichtigen“, so die Stadträtin. Kritiker werfen dem Bezirk vor, zu zögerlich zu handeln.
Bürgerinitiative fordert schnelles Handeln
Die Bürgerinitiative „Reinickendorf für alle“ fordert umgehende Maßnahmen wie die Ausweisung von Milieuschutzgebieten. „Die Studie ist ein Weckruf. Das Bezirksamt muss jetzt handeln, bevor es zu spät ist“, sagt Sprecherin Martina Schulz. Die Initiative hat bereits über 1.000 Unterschriften für eine Petition gesammelt.
Bezirksstadträtin kontert mit Spitze
Bezirksstadträtin Cornelia Reinicke (CDU) wies die Kritik zurück. „Die Bürgerinitiative sollte sich lieber für bezahlbaren Wohnraum einsetzen, statt pauschal die Vermieter anzuprangern“, sagte sie. Sie verwies auf laufende Gespräche mit Wohnungsbaugesellschaften. „Wir sind auf einem guten Weg, aber schnelle Lösungen gibt es nicht.“
Hintergrund: Studie im Auftrag der Stadt
Die Studie wurde im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erstellt. Sie untersucht die soziale Entwicklung in Reinickendorf-Ost zwischen 2020 und 2025. Neben Mietsteigerungen wurden auch Umzugsbewegungen und die Veränderung der Bevölkerungsstruktur analysiert. Das Gebiet um den Hausotterplatz gilt als besonders gefährdet.



