Die Diskussion um die Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland sorgt vor allem bei Eltern und Großeltern für Besorgnis. Das berichtet Jens Lattke, Friedens- und Umweltbeauftragter der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland (EKM), der unter anderem zum neuen Wehrdienst berät. „Bei Eltern staut sich Sorge an“, sagt Lattke. Sie machten sich weit mehr Gedanken als die Jugendlichen selbst. Oft versuche er, die Ängste aufzufangen, damit kein Druck auf die Kinder ausgeübt werde.
Das neue Gesetz zum Wehrdienst sieht vor, dass alle 18-jährigen Männer und Frauen einen Fragebogen erhalten, um ihre Eignung und Motivation für die Bundeswehr zu ermitteln. Männer müssen diesen verpflichtend ausfüllen. Sollte die Bundeswehr nicht genügend Freiwillige gewinnen, behält sich die schwarz-rote Koalition die Einführung einer Bedarfswehrpflicht vor. Derzeit gibt es jedoch keine verpflichtende Einberufung zum Wehrdienst.
In Sachsen-Anhalt wurden die ersten Fragebögen am 15. Januar versendet. Ende Januar folgten weitere. Die Zahl der Bewerbungen für den freiwilligen Wehrdienst ist in den ersten Monaten des Jahres gestiegen: In Sachsen-Anhalt gingen 140 Bewerbungen ein (Vorjahr: rund 100), in Sachsen 80 mehr und in Thüringen 30 mehr. Eine verpflichtende Musterung findet derzeit noch in Berlin statt; Kapazitäten in den drei Bundesländern sollen erst Mitte 2027 zur Verfügung stehen.
Die Zahl der anerkannten Anträge auf Kriegsdienstverweigerung ist deutschlandweit gestiegen: von 48 im Jahr 2020 auf 2.830 im Jahr 2025. Bis Ende Februar 2026 wurden bereits 1.035 Anträge anerkannt. Kriegsdienstverweigerer müssen im Spannungs- oder Verteidigungsfall Zivildienst leisten. Die Beratung der Kirche sei ergebnisoffen, betont Lattke.



