WM 2026 in Mexiko: Gentrifizierung und Proteste gegen Gringos
WM 2026: Gentrifizierung in Mexiko-Stadt

In Mexiko-Stadt regt sich Widerstand gegen die Fußball-WM 2026. Flugblätter vor dem Aztekenstadion nennen nur einen Grund, gegen das Turnier zu sein: Gentrifizierung. Die Kluft zwischen Arm und Reich in Mexiko ist riesig, und die WM könnte sie weiter vergrößern.

Tourismusboom und Mieterhöhungen

Mexiko ist für viele Fußballtouristen das attraktivste Reiseziel der WM: niedrige Preise, unkomplizierte Einreise. Die Behörden rechnen mit etwa 10 Millionen Besuchern. Laut AirDNA hat sich die Zahl der Buchungen in Guadalajara und Monterrey im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. „Man sieht an den Preisen, dass der mexikanische Markt einfach günstiger ist“, erklärt Camilo Schmid Rivas von AirDNA. „Wenn WM-Tickets so teuer sind, können niedrigere Übernachtungskosten die Nachfrage wirklich ankurbeln.“

In Mexiko-Stadt kamen im Mai mehr als 2000 neue Kurzzeitwohnungen auf den Markt – ein Anstieg von 13 Prozent. Es gibt Berichte über Vermieter, die Mietpreise erhöht oder Verträge gekündigt haben, um während der WM abzukassieren. Die Auslastung lag zu Beginn der Gruppenphase bei nur 28 Prozent, deutlich niedriger als in US-Städten, doch die Erwartung der Touristen trieb die Preise bereits.

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Proteste gegen den „WM-Effekt“

Aktivisten warnen seit Monaten vor dem „Efecto Mundial“. In Stadtteilen rund um das Aztekenstadion gab es Proteste gegen Räumungen und Mieterhöhungen. „Tourismus ist Beraubung: Wir sind keine Ware für die Fifa“, stand auf einem Banner bei einer Demonstration im Februar. Die WM kommt zu einer Zeit, in der die Mieten in einigen Stadtteilen im vergangenen Jahrzehnt um mehr als 100 Prozent gestiegen sind.

Migration aus den USA als Treiber

Viele Mexikaner machen amerikanische Einwanderer für die Gentrifizierung verantwortlich. Seit der Pandemie ist die Zahl der US-Amerikaner in Mexiko-Stadt gestiegen, parallel zu den Preisen. In Stadtteilen wie Roma und Condesa sind sie zum Symbol für den Wandel geworden – ähnlich wie die Schwaben im Prenzlauer Berg. Im vergangenen Jahr gab es teils gewalttätige Proteste, bei denen die „Gringos“ zum Feindbild wurden.

Politik reagiert: 14-Punkte-Plan

Die Regierung von Mexiko-Stadt stellte im Sommer einen 14-Punkte-Plan gegen Gentrifizierung vor, darunter strengere Auflagen für Airbnb. Bürgermeisterin Clara Brugada präsentierte die Stadt beim „World Urban Forum“ in Baku als globalen Vorreiter. „Wenn die Welt nach Mexiko-Stadt kommt, wird sie eine offene, solidarische Stadt finden, die unbedingt zeigen will, dass eine andere urbane Zukunft möglich ist“, sagte sie. Doch viele Bewohner sind mit der Gegenwart unzufrieden.

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