Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA wird von einer noch nie dagewesenen Sichtbarkeit religiöser Bekenntnisse geprägt. Ein Foto, das die deutschen Nationalspieler Felix Nmecha und Jonathan Tah nach dem 7:1-Auftaktsieg gegen Curaçao beim gemeinsamen Gebet mit Gegenspielern zeigt, ging um die Welt. „Wir sind im Spiel Gegner. Und nach dem Spiel sind wir alle Christen“, erklärte Nmecha der ARD.
„Ballers in God“: Netzwerk christlicher Fußballer
Das 2015 gegründete Netzwerk „Ballers in God“ verbreitet solche Aktionen in sozialen Medien. Es zeigt etwa Frankreichs früheren Bundesliga-Profi Maxence Lacroix mit der Bibel in der Hand oder die gesamte panamaische Mannschaft, die nach einer Niederlage gegen Ghana betet. Diese öffentliche Zurschaustellung von Glauben ist in den USA, wo American Football-Spieler regelmäßig beten, nicht ungewöhnlich. In Deutschland hingegen stößt sie auf Kritik.
„Glaube und Sport haben viel gemeinsam“, sagt Präses Thorsten Latzel, Sportbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der dpa: „Es geht bei beiden um Haltung, Werte, Gemeinschaft, Teamgeist, Fairness über Grenzen hinweg.“
Kontroverse um Felix Nmecha
Besonders Felix Nmecha, der dem evangelikalen Christentum zugeordnet wird, steht im Fokus. Der 25-jährige Dortmunder Profi weist Vorwürfe der Homophobie zurück, die aufgrund seiner Inhalte in sozialen Netzwerken erhoben wurden. DFB-Präsident Bernd Neuendorf nimmt ihm das ab: „Das sehe ich so.“ Sven Kistner, Sprecher von Queer Football Fanclubs, fordert dennoch eine klare Stellungnahme des DFB: „Diese Art des Glaubens, diese äußerst konservative und eben auch in Teilen homophobe Haltung des Glaubens, hat im DFB keinen Platz.“ Der DFB stehe für Werte wie Offenheit und Menschlichkeit.
Evangelikale Gruppen nutzen WM als „Missionsfenster“
Die WM bietet evangelikalen Gruppen eine große Bühne. Die Initiative „Jesus Saves 2026“ wirbt in Miami Freiwillige an, die vor den Spielen mit Fans beten. In ihrem Aufruf heißt es, die WM biete „eine göttliche Gelegenheit, die Kirche zu stärken“. Präses Latzel betont jedoch: „Religion darf niemals als Waffe dienen, Menschen verletzen und dies auch nicht legitimieren.“ Bei dieser WM habe er keinen solchen Missbrauch erlebt. Vielmehr sei das gemeinsame Gebet von Spielern unterschiedlicher Mannschaften „ein starkes Zeichen“. Der Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler ergänzt: „Religion darf nie Steigbügelhalter für andere weltanschauliche oder politische Botschaften sein.“ Solange dies klar sei, sei es positiv, wenn Sportler ihren Glauben zeigen.
Kirchen in Deutschland nutzen WM für eigene Aktionen
Auch die Kirchen in Deutschland thematisieren die WM. Latzel teilt auf Instagram „WM-Werte“ mit Bibelversen zum Fußball. Der evangelische Sportbeauftragte und der katholische Sportbischof Stefan Oster treten in einem Tippspiel gegeneinander an; nach den ersten beiden Gruppenspielen stand es 4:4.



