Wochenend-Newsletter: Fiat 500 oder Lamborghini?
Wochenend-Newsletter: Fiat 500 oder Lamborghini?

Wochenend-Newsletter: Fiat 500 oder Lamborghini – das Handelsblatt-Wochenende

Außerdem: Eine Flamingo-Revolution, Bier von Frauen und ein neuer Social-Media-Star namens Eurofighter. Das sind unsere Leseempfehlungen.

Liebe Leserin, lieber Leser,

mein älterer Sohn hatte bereits als Kleinkind eine besondere Fähigkeit: Mit zwei Jahren kannte er jede Automarke. Wenn irgendjemand auf ein Auto zeigte und ihn fragte „Uunnd, was ist das?“ lag er in 95 Prozent der Fälle richtig. Teslas gefielen ihm besonders gut, die streichelte er auch gern mal.

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Ich habe dann immer gelächelt und gesagt: „Also von mir hat er das nicht.“ Tatsächlich interessiere ich mich bei Autos vor allem für die Kofferraumgröße, weniger für die zerkratzte Felge.

Die Auto-Obsession hat sich bei meinem Sohn mit den Jahren immer weiter entwickelt. Heute ist er acht und liest gern „Auto Motor Sport“ und „Auto Bild“. Er interessiert sich für „Facelifts“, so nennt man das offenbar auch bei Autos, und wenn wir irgendwo einen „Erlkönig“ sehen, wird er sehr nervös. Als er neulich nicht schlafen konnte, bat er mich, ihm etwas über meine Lieblingsautos zu erzählen. Ich stammelte ziemlich rum, irgendwann erlöste er mich und fragte, worüber ich denn gerne sprechen würde. Mein Exkurs über verkannte weibliche Genies in der Geschichte hat ihn dann aber doch nicht so gekickt, am Ende haben wir über unsere Lieblingsessen gesprochen (Döner, Spaghetti bolognese).

Nun habe ich noch einen weiteren Sohn, der aktuell in einem ähnlichen Alter ist wie mein älteres Kind beim Beginn seiner Leidenschaft. Als Zweitgeborener möchte er seinem großen Bruder natürlich alles nachmachen und ruft auch fröhlich Automarken durch die Gegend. Das Problem: Aus seiner Sicht ist alles ein Lamborghini.

Mazda Cabrio? Lamborghini. Toyota Corolla? Lamborghini! Gestern rief er beim Anblick eines elektronischen Fiat 500, also so ein Auto Typ Überraschungsei, begeistert „Lamborghini“. Sein älterer Bruder fand es stümperhaft, die Fahrerin hat es sehr gefreut.

Mein Großer steht für das, worauf dieses Land mal stolz war: Detailwissen und Präzision. Ingenieursgeist. Kenne dein Produkt, kenne deinen Markt, mach keine Fehler. Deutschland war jahrzehntelang der Achtjährige, der jede Automarke kennt.

Mein Kleiner steht für etwas, das uns abhandengekommen ist: Euphorie über das eigene Produkt. Alles, was vier Räder hat, könnte ein Lamborghini sein.

Ich glaube ja, meine beiden Söhne beschreiben ganz gut, was es braucht, um Deutschland wieder erfolgreich zu machen. Echtes Expertentum gepaart mit dem Glauben, dass mehr möglich ist, auch wenn das Produkt vielleicht noch nicht ganz da ist.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Ihre Charlotte Morré

Die „Flamingo-Revolution“

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Am 23. Juni jährt sich die Brexit-Entscheidung zum zehnten Mal. Erstmals mehren sich Anzeichen, dass die Briten ihren Austritt aus der EU inzwischen kritisch sehen – und sich sogar eine Rückkehr vorstellen können. Sollte sich dieser Stimmungswandel verfestigen, wäre das ein eindeutiges Signal gegen den populistischen Nationalismus, dessen Aufstieg oft mit Donald Trump verbunden wird, zu dem aber auch der Brexit maßgeblich beigetragen hat. Ein Essay von Torsten Riecke.

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Die Rüstungsindustrie galt lange als konservativ und kommunikativ zurückhaltend. Florian Taitsch, Kommunikations- und Marketingchef der Eurofighter Jagdflugzeug GmbH, geht einen anderen Weg. Mit seinem Format „Fighter Show“ erreicht er auf Social Media ein Millionenpublikum – und steht damit für einen neuen PR-Ansatz in der Verteidigungsbranche.

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Am 23. Juni vergibt der Guide Michelin wieder seine begehrten Sterne. Deutschlands ältestes Spitzenrestaurant arbeitet derweil an einem besonderen Ziel: dem dritten Stern. Doch wie gelingt der Aufstieg in die höchste Liga der Gastronomie? Welche Strategie das Traditionshaus verfolgt und warum der Weg dorthin so anspruchsvoll ist, lesen Sie hier.

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Parteien gewinnen in vielen westlichen Demokratien an Einfluss. Doch worauf gründet ihr Erfolg? Im Gespräch mit unserem Redakteur Sven Prange analysiert der Politikwissenschaftler Philip Manow die gesellschaftlichen und politischen Verschiebungen hinter diesem Trend. Dabei geht es auch um die Frage, warum rechte Parteien zunehmend Wähler aus dem Arbeitermilieu anziehen und welche Rolle politische Parteien in einer fragmentierten Gesellschaft noch spielen können.

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